WM 2006

Samstag, 15. Juli 2006

Der WM-Stock

Das schönste WM-Erlebnis?
Vier Tage Mannschaftsfahrt nach Holland. Das war der pure Fußball-Bier-und-Grillen-Exess. Geburtstagsparty mit vielen netten Leuten und einem lockeren Sieg gegen Schweden.

Das beste Spiel?
Als Freund der Grätsche auf Kopfhöhe: Holland gegen Portugal. Auch gut: Argentinien gegen Serbien-Montenegro. Das einzige Spiel, in dem eine Mannschaft das komplette spielerische Potential entfalten konnte.

Lieblingssprechchor?
Die englische Nationalhymne. Da krieg ich immer Gänsehaut, das man eine Möhre drauf reiben könnte. Als wäre sie dafür geschrieben, vor Fußballspielen gesungen zu werden.

Schönstes Trikot?
Die orangefarbenen der Elfenbeinküste.

Weltmeister des Herzens?
Die Schweiz. Kein Tor kassiert und trotzdem draussen - das tut weh.

Bestes WM-Bier?
Das frischgezapfte Bit auf meiner Geburtstagsparty

Lieblingsspieler?
Gattuso, Maniche, Robben, Klose, Tevez, Ribery

TV-Höhepunkt?
  • Das 1:0 gegen Polen in einer üblen Bungalow-Park-Kneipe in Renesse.
  • Die Analysen für Jürgen Klopp und wie er sich dafür entschuldigte ("ich will ja niemanden langweilen, aber hier stoppen wir mal") - der durchschnittliche Fernsehzuschauer hat scheinbar keine Ader für gute Berichterstattung.
  • Die DSF-Stammtischsendung, in der ein mir unbekannter England-Experte eingeladen war und Udo Lattek so richtig rund gemacht hat ("Tut mir leid, aber was Sie da reden ist völliger Unsinn").
TV-Tiefpunkt?
Was schon? 1:0, 119. Minute. Obwohl - Eva Padberg war schlimmer.

War’s schön?
Yep. Für mich schon. Aber fragt besser nicht meine Freundin.

Und jetzt? Mehr Fußball oder reicht’s?
Erster Samstag ohne Fußball und ich sitze mit leerem Blick vor dem abgeschalteten Fernseher. Wie soll ich die nächsten vier Wochen überstehen?

Mittwoch, 12. Juli 2006

Alles andersrum

Das nenne ich mal einen schlechten Deal für die Italiener. Zinedine Zidane soll gerüchteweise die Auszeichnung als MVP aberkannt werden, während Italien gar die nachträgliche Disqualifikation und damit der Verlust des Titels droht, schreibt Sport1. Damit wäre dann Fabio Cannavaro neuer wertvollster Spieler und Frankreich Weltmeister.

Viel wahrscheinlicher ist allerdings, dass die Medien die Löcher auf den Sportseiten stopfen müssen und deswegen wilde Spekulationen in die Welt setzen,

Montag, 10. Juli 2006

Out of Africa

Peinlich, peinlich, das. Aber irgendwie hat man
damit gerechnet, dass es alles andere als glatt laufen wird, wenn ein afrikanisches Land die WM ausrichten soll. Dass es allerdings schon vier Jahre vor Turnierbeginn so übel ausschaut - sehr schade.

Es wäre nicht nur eine Niederlage für einen ganzen Kontinent, sondern auch eine Niederlage für Sepp Blatter. Der versprühte vor zwei Tagen noch Optimismus, als er bei der Logo-Vorstellung vollmundig eine WM der Tänzer und Trommeln ankündigte. Ausnahmsweise finde ich Blatters Arbeit an dieser Stelle sympathisch.

Auch die auf den ersten Blick strukturschwachen Nationen sollten eine Chance bekommen, sich der Welt zu präsentieren. Es muss nicht immer größer, besser, teurer sein. Die Grundlagen wie Sicherheit, Infrastruktur und vor allem die Existenz geeigneter Fußballstadien sollten allerdings schon gewährleistet sein.

Samstag, 8. Juli 2006

Die unglaublich goldene Ananas

Hat da jemand gesagt, es gehe um die goldene Ananas? Er hatte Recht. Aber noch nie ist die goldene Ananas so gefeiert worden wie heute.

Deutschland lief mit der zweiten Garnitur auf und ich war mir sicher, dass höchstens einer der fünf angeblich Verletzten tatsächlich unpässlich war. Aber als ich Klinsmanns Reaktion nach dem 1:0, 2:0 und 3:0 gesehen habe, wusste ich, dass er keine Sekunde an ein Freundschaftsspiel gedacht hat.

Auf der anderen Seite stand keine Deppen-Elf auf dem Platz. Deco war dabei, Ronaldo, Maniche. Das Ergebnis ist also durchaus ernstzunehmen ist. War das jetzt eigentlich der Sieg gegen einen Großen oder zählt Portugal nicht?

Lediglich Figo fehlte von Beginn an aufgrund "muskulärer Probleme". Habe ich da tatsächlich Sprechchöre vom deutschen Publikum für ihn gehört, als er reinkam? Das wäre ein würdiger Abgang für einen solchen Spieler gewesen.

Ein großer Abend war es, der sogar Oliver Kahn sowas wie die Tränen in die Augen trieb. Der emotionale Höhepunkt seiner Karriere sei es gewesen. Und dann erklärte er seinen Rücktritt. Wie sagte Jürgen Klopp so richtig: Kahn war schon ein Großer, aber die letzten Wochen haben ihn noch größer gemacht.

Der einzige fade Beigeschmack bleibt das beschissene Interview von Steinbrecher mit Klinsmann. Man muss Klinsi nicht fragen, ob er weitermacht. Er hat schon mindestens 100 Mal erklärt, dass er das in zwei, drei Wochen entscheidet. Aber ihn in zehn Minuten fünfmal damit zu bedrängen, ist mehr als schlecht. Das war mir als Zuschauer schon peinlich.

Wenigstens hatte Ballack soviel Esprit das ganze mit einem: "Die Mannschaft muss in den nächsten Tagen viele Einzelgespräche mit dem Trainer führen", abzukanzeln.

Mittwoch, 5. Juli 2006

Coitus Interruptus

Coitus interruptus, was anderes fällt mir dazu nicht ein. Im Elfmeterschießen raus - kein Problem. Durch einen Geniestreich raus - kein Problem. Aber nicht in der 119. Minute durch einen verdammten Hackentrick und einen Sonntagsschuss. Warum, Italien? Macht uns doch einfach einen in der ersten Minute der Verlängerung rein. Dann können wir wenigstens sagen, die Kraft hat nicht mehr gereicht. Haut uns 3:0 weg, dann können wir sagen, Ihr wart besser. Aber das war brutal.

Keine Frage, Ihr habt es verdient. Nur ein Gegentor im ganzen Turnier. Beide Stürmer aus der Partie genommen. Durch das Eisenbad Westfalenstadion gegangen. Zweimal Aluminium in der Verlängerung. Den Skandal in der Heimat weggesteckt.

Jetzt, das ist für mich keine Frage, werdet Ihr auch Weltmeister. Und wisst Ihr was: Ich bekomme dafür fünf Bonuspunkte beim Tippspiel, denn Ihr wart mein Favorit.

Montag, 3. Juli 2006

Sperre für Frings berechtigt? Der Videobeweis.

Ich habe die ganze Mittagspause nach dem Filmmaterial gesucht, das Thorsten Frings Angriff auf einen Argentinier zeigen soll.

Edit: So, drei Stunden stand der falsche Ausschnitt hier, jetzt hab ich den richtigen gefunden (Dank an Sven). Okay, das rechtfertigt eine Sperre. Allerdings steht der Schiri circa 30 cm neben Frings. Das muss er gesehen haben. Also Tatsachenentscheidungen und ab dafür.

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Samstag, 1. Juli 2006

Allez Les Bleus!

Wie konnte Brasilien so schlecht sein? Irgendwas muss hinter geschlossenen Türen ganz falsch gelaufen sein, um so eine Leistung zu erklären. Ich muss nicht schreiben, dass diese Mannschaft die besten Einzelspieler hatte. Das ist Fakt. Und diese Mannschaft war eigentlich eingespielt. Sie kannten sich schon lange und wussten, welche Waffen sie hätten einsetzen können.

Warum ein Ronaldinho niemals den Raum hatte, seine Stärken auszuspielen, kann nur Perreira erklären. Warum er mit Adriano und Ronaldo zwei Brecher bevorzugte und nicht auf Spielstärke a la Robinho setzte, kann nur Perreira erklären.

Es war schon seit dem ersten Spiel sichtbar, und es gelang nicht, die Taktik anzupassen. Die Ungefährlichkeit lag sicher nicht an Ronaldo, der nur ein Teil des Puzzles war. Bezeichnend war, dass Ronaldo niemals Raum hatte, in der er sich hätte bewegen können. Brasilien war statisch.

Frankreich hingegen erinnert mich an frühere deutsche Teams. Sie haben sich in das Turnier gekämpft, sie finden immer mehr zu ihrem Spiel und gewinnen an Selbstbewusstsein. Zu Beginn der WM hatte ich das Gefühl, dass sie von den Medien im eigenen Land niedergeschrieben wurden, deswegen kaum Selbstbewusstsein hatten und dieses Stigma mit dem heutigen Sieg überwunden haben. Durch diese Attacken von außen wird eine Mannschaft zusammengeschweißt, wenn sie unerwartet Erfolg hat.

Doch spätestens im Finale erwartet sie eine andere Mannschaft. Gegen Deutschland müsste sich Frankreich an ein anderes Tempo gewöhnen. Der Vergleich zum gestrigen Viertelfinale ist deutlich: Franreich und Brasilien haben sich Raum gegeben, das Spiel war relativ langsam, es wurde kaum aggresiv gedoppelt. Deutschland gegen Argentinien war zwei Nummern schneller, intensiver, enger. Moderner Fußball wurde gestern gespielt, heute nicht.

Freitag, 30. Juni 2006

Warum meine Freundin den Rest der WM auf dem Klo verbringen muss

Ich stehe noch unter Strom. Was ich heute gesehen habe, war nicht schön, aber intensiv. Sehr intensiv.

Argentinien spielte ein unglaubliches Pressing. Sie waren den Deutschen läuferisch klar überlegen. Bei jedem Ballbesitz standen drei Gauchos auf dem Fuß. Gegen diese unglaubliche Kraft konnte kein schönes Spiel zustande kommen. Was den Argentiniern gefehlt hat, war Torgefährlichkeit. Im Verhindern des Spielaufbaus war das Weltklasse. Im Spiel nach vorne haben sie vieles vermissen lassen, was Riquelme, Tevez und Co in der Vorrunde ausgezeichnet hatten.

Zunächst schien es, als würden sie dafür belohnt. In einem Spiel, das nur über Standardsituationen hätte entschieden werden können, nutzten sie den ersten Stellungsfehler. Ehrlich: Ich hab nicht geglaubt, dass Deutschland durch dieses Bollwerk brechen kann. Ein einziges Mal geschah es doch, und es hat gereicht. Was war passiert? Meine Freundin, die das gesamte Spiel neben mir ausgeharrt hatte, sagte "Ich muss mal auf das Klo" und war verschwunden. Keine 30 Sekunden später lag ich in den Armen wildfremder Menschen.

Nach dem Ausgleich übernahm Deutschland das Spiel, zog es in Breite. Sicher auch, weil die Gauchos platt waren. Torchancen kamen dabei immer noch nicht herum. Es kam, wie es sich bereits in der ersten Halbzeit angedeutet hatte. Elfmeterschießen.

Mein Gefühl war sauschlecht. Zu nervös hatte die Mannschaft gespielt. Vor allem in der ersten Hälfte war offensichtlich, dass sie sich zuviel vorgenommen hatten.

Ich nominierte meine Schützen im Kopf. Und ich hatte mit allen Recht, bis auf Ballack. Nach seinem Krampf sah er nicht so aus, als würde er verwandeln können. Stattdessen hatte ich Lehmann als Nr. 5 gesetzt. Doch so überzeugend, wie die Jungs die Bälle in das Tor gehämmert haben, gab es keinen Zweifel an Klinsmanns Entscheidung.

Nach diesem Spiel muss man tatsächlich von einem vorweggenommenen Finale sprechen. Ausnahmsweise muss man ein Lob an selten gelobte Leute aussprechen. Lubos Michel hat die Partie überragend geleitet. Ich habe mich nicht einmal über den Schiedsrichter aufregen müssen. Und (Trommelwirbel) Reinhold Beckmann hat wirklich gut kommentiert. Zumindest das, was ich in der Kneipe hören konnte, hatte Hand und Fuß. Ich hätte nicht gedacht, dass ich das jemals schreiben würde.

P.S. Lahm gegen Rodriguez in der 86. Minute: Das war ein klarer Elfer.

Donnerstag, 29. Juni 2006

Zurück aus dem Urlaub

Gerade rechtzeitig zum Viertelfinale hab ich es zurück an den Schreibtisch geschafft. Wie es war, die WM in Hooland Holland zu erleben, wollt Ihr wissen? Da kann ich euch leider nix drüber erzählen. Wie bei einer Herrentour üblich, wird das Mäntelchen des Schweigens über sämtliche Ereignisse gelegt. Nur soviel: Am ersten Abend passierte das hier:

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Und als die Oranjes es auf die Mütze bekommen haben, war ich schon wieder in Deutschland. Zu schade eigentlich.

Dienstag, 13. Juni 2006

Die Raportage

Blumentopf kommentiert freestylend jedes Deutschland-Spiel für die ARD. Soll ja keiner sagen, das Erste würde nix für die Jugend bringen.

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