Durch zwei verlängerte Urlaubswochenende ist es hier ein bisschen ruhig geworden, was die originären Beiträge angeht. Die Diskussion zu den letzten Posts ging aber munter weiter. Also direkt weiter mit mit einem Thema, in dem richtig was drinsteckt: Der Kirch-Deal. Dazu empfehle ich auf jeden Fall den Beitrag auf dem
Ball-Blog und natürlich sehr fundiert bei dogfood
hier und
hier.
Was die Fakten angeht, ist an diesen Stellen schon alles gesagt, deswegen gehe ich direkt in die Abteilung "Meinung" über:
1. Kirch unfähig?
Ich verstehe den ganzen Wind darum nicht, dass Kirch die Bundesliga vor einigen Jahren "im Stich gelassen" hätte. Der Kerl ist mit seiner Firma insolvent gegangen. Das heißt nichts anderes, als dass er sich selbst am meisten ins Knie gefickt hat mit dem Deal. Er hat die Rechte deutlich zu hoch bewertet und sein Business-Modell ist nicht aufgegangen.
Wenn man als DFL in einer Versteigerung die Rechte zu extrem knapp kalkulierten Preisen raushaut, muss man das Restrisiko einrechnen, dass der Verwerter den Preis nicht refinanzieren kann.
Daraus kann man Kirch keine pauschale Unfähigkeitsbescheinigung ausstellen. In einer sehr langen Karriere zuvor hat er viel, viel mehr richtig gemacht als falsch.
2. Der Preis
Wenn ich mir den ganzen Wind nochmal um die Nase wehen lasse, den z.B. Uli Hoeneß abgesondert hat, was die Bundesliga-Rechte tatsächlich wert wären, finde ich den Abschluss extrem defensiv. Die Beträge klingen zunächst hoch (vor allem der über sechs Jahre kumulierte Betrag), aber tatsächlich ist es eine Steigerung von ca. 60 Millionen pro Saison (je nachdem welcher Rechnung man glauben will). Bis, sagen wir, 2009 ist das in Ordnung. Aber was danach geht, das könnte finanziell eine ganz andere Liga sein. Wohlgemerkt: Könnte.
Unter Umständen bleibt der Wert der Rechte auch stabil. Und dann hätte die DFL einen guten Deal gemacht. Aber wir reden hier über 2015. Und wenn dann andere europäische Ligen fetteste Kohle machen, weil die Preise steil nach oben gehen, wird der Katzenjammer groß sein.
Okay, an deutlichen Wertsteigerungen ist die DFL mit rund der Hälfte beteiligt, aber die Hälfte von verdammt viel Geld ist immer noch sehr viel Geld, dass der Liga durch die Lappen gehen könnte.
Mir scheint, dass in der DFL-Entscheidung eine Menge Risiko-Begrenzung ist, weil man nicht weiß, wie sich der Pay-TV-Markt angesichts der Breitbandevolution (und damit der Evolution der Geschäftsmodelle) entwickelt.
3. Die zentrale Produktion
Für mich ist das der eigentliche Geniestreich bei dem Deal und tatsächlich nach vorne gedacht. Um mal das Verhältnis aufzuzeigen: Wir reden jetzt über 2015. Das ist also so, als hätten wir 1999 über die aktuelle Situation diskutiert. Flächendeckende DSL-6000-Anbindung - wer hätte davon 99 auch nur geträumt? Da werden sich ganz andere Verteilungsstrukturen entwickelt haben. Vielleicht einzelne Internet-TV-Anbieter, die einzelne Spiele kaufen wollen. Was weiß ich - in dem Bereich halte ich jede angeblich sichere Prognose für Chuzpe. Mit vorproduzierten Inhalten hält man sich auf jeden Fall alle Türen offen.
Ob die DFL den Fans einen Gefallen getan hat - das bezweifele ich allerdings, weil eine Aufsplittung der Rechte zu befürchten ist. Ein Rundum-Sorglos-Paket, in dem ein Premiere alle Spiele plus CL zeigt wie 2003, halte ich zumindest ab 2012 für nicht mehr selbstverständlich.
Fazit:
Die DFL hat die auf lange Sicht sichere Alternative gewählt, die kurzfristig hohe Erträge verspricht. Dabei hat sie die potentielle Aufsplitterung der Übertragungen in Kauf genommen und einiges an Mitspracherecht auf lange Zeit aufgegeben. Gleichzeitig hat sie potentielle Profite vielleicht voreilig an Sirius abgegeben. Vieles von dem, was der Deal wert ist, hängt an noch unbekannten Faktoren, vor allem den Vorgaben für die Free-TV-Verwertung.
Kurz gesagt: Ich halte den Abschluss für einen Fehler, allerdings nicht aus Misstrauen gegenüber den neuen Rechte-Inhabern.
Dülp - 16. Okt, 23:26