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Kommerz vs. Sport

Freitag, 19. Oktober 2007

Trikots für die Hälfte?

Heute gab's einen sehr interessanten Artikel im Handelsblatt. Ein Portrait über den Chef von "do you football". Wem das nichts sagt: Das ist der Ausrüster von St. Pauli und dem FC Augsburg, Das ist erstmal nichts Besonderes. Aber sobald man sich die Trikotpreise bei den beiden Vereinen anschaut, erkennt man, dass da etwas anders läuft als anderswo.

Die Firma ist mit einem klaren Statement in die Ausrüstung von Profi-Mannschaften eingestiegen. Man will den Fans ein Saison-Trikot zum erschwinglichen Preis anbieten und betrachtet die Politik der üblichen Ausrüster als Abzocke. 69 Euro für ein Shirt ist in den Augen der Geschäftsleitung völlig abgehoben von der finanziellen Situation der Fans. Das Ziel war, ein Shirt in der gleichen Qualität zum halben Preis zu machen.

Das Ergebnis erreichte fast die Zielsetzung: Ein Shirt für 39 Euro. Und im Fall von St. Pauli resultierte eine 600-prozentige Steigerung des Stückverkaufs. Statt zuvor 3.000 Hemden sollen 18.000 über den Tisch gegangen sein. Wohlgemerkt in der Saison vor dem Aufstieg.

Interessant ist dabei die Politik der Firma: Auf "große" Vereine hat sie keinen Bock. Einen FC Köln würde sie im Moment nicht ausrüsten. Selbst die Verhandlungen mit Hansa Rostock hat sie abgebrochen. Der Geschäftsführer ist der Ansicht, dass er sich über die Kleinen hocharbeiten muss und vor allem dort seine Marktlücke ist.

Kein Wunder, angesichts der Summen, die ein Ausrüster zahlen muss, um in das Geschäft zu kommen. Normalerweise geht er in Vorleistung und muss gucken, wie er seine Kohle wieder rausbekommt. Bei "do you football" wird wenig bis gar nichts gezahlt, aber Ausrüster und Verein teilen sich die Gewinne.

Freitag, 9. Februar 2007

Abzocke 2.0

Ich bin immer wieder erstaunt, wie viel Fantasie einige Firmen entwickeln, wenn es darum geht, ihre Kunden abzuziehen. Schwer angesagt ist seit Neuestem, die Staffeln von Fernsehserien nur noch häppchenweise anzubieten - und zwar zu dem Preis, den vor nicht allzu langer Zeit eine komplette Staffel gekostet hat. Ganz schön bitter: Da warte ich knappe vier Jahre auf die die zweite Hälfte von Twin Peaks und soll dann das hier kaufen. Nee Leute, ohne mich.

Wo wir gerade bei Höhepunkten des Kapitalismus sind, bekomme ist die Kurve zum Fußball schnell. Ich sage nur EA Sports. Wie üblich soll der neue Fußball Manager richtig übel verbuggt sein. Doch statt wie bisher einen Patch bereit zu stellen, hatte EA etwas besseres zu tun: Einen Patch bereit zu stellen und 19,99 dafür zu verlangen. Die Fehler sind dann zwar immer noch im Spiel, dafür hat man aber ein paar Statistiken und überflüssige Funktionen mehr. Wer clever ist, kauft sowieso die Vorjahresversion, geändert hat sich eh nix.

Dienstag, 6. Februar 2007

Liverpool gehört jetzt den Amis

Dass ein Sportverein jemandem gehören kann - mit diesem Konzept kann ich mich einfach nicht anfreunden. Deswegen tut mir die Schlagzeile "Reds: Übernahme perfekt" schon weh. Vor allem, wenn die Käufer Sportvereine sammeln wie andere Leute Fußball-Bilder.

Die Amerikaner sind in ihrer Wortwahl wenigstens ehrlich. Statt Verein heißt es dort "Franchise". Die Indianapolis Colts sind für die Liga also sowas wie die Filiale für McDonalds. Wenn schon solche ein Kapitalismus, dann bitte wie in Green Bay. Nur aus einem einzigen Grund gibt es seit 1919 in dieser Kleinstadt durchgehend ein NFL-Team: Die Mannschaft gehört den gut 100.000 Einwohnern (von denen übrigens knapp 70% in das Stadion passen).

Wenn mein Verein irgendwann zum Verkauf stünde: Ich würde ein paar Riesen reinschmeissen, um ihn für uns Fans zu sichern und nicht irgendwelchen amerikanischen Großkapitalisten, arabischen Scheichs oder russischen Oligarchen zu überlassen.

Freitag, 24. November 2006

Unser Fußball: Unterstützung erwünscht

Meinen heutigen Beitrag findet ihr mal wieder auf www.unser-fussball.de.

Die Aktion kommt langsam in der Öffentlichkeit an. Mittlerweile haben unter anderem gmx, web.de und das ORF über uns berichtet. Umso cooler wäre es, wenn Ihr uns mit Eurer Unterschrift hier unterstützt.

Sonntag, 12. November 2006

Anpacken statt lamentieren

Meinen heutigen Post gibts auf Unser Fußball

Donnerstag, 2. November 2006

Einsatzgarantie für Umsatzbringer?

Was machte in Verein, der kein Verein mehr ist sondern ein Unternehmen, mit einem Spieler, der eigentlich zu schlecht ist, aber aufgrund seiner Popularität immense Erlöse bringt?

Darf der Trainer so einen Jungen feuern, oder muss der Verein aus betriebswirtschaftlicher Sicht dem Trainer vorschreiben, ihn einzusetzen? Ist eine AG ihren Aktionären sogar schuldig, den Mann zu halten?

Fiel mir gerade so ein, als ich über Beckham und Real nachdachte.

Donnerstag, 28. September 2006

Warum verdienen Stürmer mehr?

In der FAZ erklärt ein echter Volkswirtschaftsprofessor, warum Fußballstars so viel verdienen. Und er erklärt, warum Stürmer im Durchschnitt mehr verdienen als Mittelfeldspieler:

"Offensichtlich sind Stürmer knapper als Mittelfeldspieler."

Abwehrspieler verdienen weniger als Mittelfeldspieler und Torhüter sind am schlechtbezahltesten. Da wage ich doch mal eine Gegenthese: Ich behaupte, dass Stürmer am meisten verdienen, weil ihr Anteil am Erfolg am offensichtlichsten ist. Mit einem Top-Goalgetter kann man sich relativ sicher Erfolg kaufen. Ein Klose ist 10 Tore besser als ein Neuville. Bei Abwehrspielern, mehr noch bei Torhütern ist es mit objektiven Mitteln kaum zu messen, wie viel Tore weniger die Mannschaft durch sie kassiert. Deswegen haben diese Spieler weniger handfeste Argumente bei den Vertragsverhandlungen.

So, irgendein Ökonom da draußen, der es besser weiß?

Via Fritten, Fußball & Bier

Dienstag, 30. Mai 2006

Die G-14-Superliga

Kommt die europäische Superliga? Ein Ökonom sagt, es sei beinahe unausweichlich. Aber nur beinahe. "Machtkampf am Spielfeldrand" auf Handelsblatt.com.

Montag, 10. April 2006

FC Adidas

Über diese Erkenntnis wird Uli Hoeneß lange meditiert haben: "Ballack geht nur aus finanziellen Gründen."

Neu ist mir hingegen die Art und Weise wie Spielerberater Michael Becker die Nachfrage mehrerer Märkte kombiniert, um einen optimalen Preis für die Arbeitskraft seines Schützlings zu finden.

Er schloss einen so dicken Deal mit Adidas ab, dass Ballack nur noch für ein Adidas-Team auflaufen darf - und das bis 2012. Ich hab nicht sämtliche Ausrüster-Verträge der Champions-League-Vereine im Kopf, aber allzu viele werden da nicht übrig bleiben. Etwa ein Viertel, schätze ich. Wenn weniger Clubs für den Spieler in Frage kommen dann herrscht weniger Nachfrage und als Folge, klar, wird sein Gehalt weniger hoch ausfallen. In der Summe mit dem Adidas-Salär dürfte die Geldmenge, die auf Ballacks Konto landet, dennoch am oberen Limit des Möglichen liegen.

Zeichnet sich da ein neuer Trend ab? Dass sich die Ausrüster ihre eigenen All-Star-Teams zusammenkaufen und über die Stars bestimmen können? Seit Jahren schon erwecken die opulent produzierten Werbespots genau diesen Eindruck. Dort werden die Fußballer nicht in ihrer natürlichen (Vereins-)Umgebung sondern im Corporate Design präsentiert.

Das wäre vielleicht der nächste konsequente Schritt zu Durchkapitalisierung des Sports. Die Konzerne schieben ihren Vereinen aus ihren Pools die Spieler zu - qualitativ gestaffelt nach Marketingpotential des Clubs. Und 2020 spielt dann Puma Madrid gegen Umbro London.

Aber halt - ich werde wieder zynisch. Am Ende wechselt doch nur Ballack zum FC Abramovitsch und sitzt dort auf der Bank. Totes Kapital nennt man das dann, glaub ich.

Donnerstag, 2. März 2006

Blatter und die Rasenmähermethode

Die FIFA lässt mal wieder großartige Pläne verlautbaren. Zum Beispiel die Reduzierung aller nationalen Ligen auf 16 Mannschaften. Der Markt (also wir Fans) vertrage nicht soviel Fußball. Würde man Sepp Blatter die Gründe für seine Reformvorschläge glauben, bliebe nur ein Schluss: Er und der gemeine Fußballfan leben in zwei verschiedenen Welten. Aber eigentlich geht es ja nicht um das Publikum, sondern um die Geschäfte. An den nationalen Ligen verdient die FIFA eben nicht in für sie ausreichendem Maße. Stattdessen werden so attraktive Wettbewerbe wie die WM für Vereinsmannschaften geschaffen. Für die interessiert sich in Europa zwar weder ein Club noch ein Zuschauer, dafür eignet sie sich gut um den asiatischen oder nordamerikanischen Markt anzufixen.

Mein Gegenvorschlag, um den Angebotsüberschuss zu beseitigen: Weg mit der Gruppen-Phase im Uefa-Cup und in der Champions-League, weg mit dem UI-Cup, weg mit Liga-Pokal, weg mit Werbetourneen für Großsponsoren. Für den Overkill sorgen pro Nation nur drei bis fünf Vereine, die beinahe wöchentlich Dienstags und Mittwochs auf internationaler Ebene spielen dürfen/müssen. Alles was nationale Mittelklasse oder weniger darstellt, hat nur die Liga. Und die sollte den Fans dieser Vereine in der aktuellen Form erhalten bleiben. Ich bin jedenfalls nicht scharf darauf, München gegen Trondheim oder Mailand gegen Rio de Janeiro zu sehen. Ich will Gladbach, und zwar 34 Mal pro Saison.

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