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International

Montag, 3. September 2007

Champions-League-Reform: Kalte Füße bei Schalke und Co

Jetzt hat Michel Platini die Katze endgültig aus dem Sack gelassen. Die neue Champions Leaugue soll ein Stückchen weiter weg von der Europa-Liga, hin zu dem traditionellen Landesmeistervergleich. Sieger sind die Titelträger kleiner Länder (sechs Startplätze) und die Pokalsieger (vier Startplätze).

Eindeutige Verlierer sind Mannschaften in den großen Ländern, die gerne und häufig auf den Plätzen 3 und 4 abschließen. Im Ausland wären zum Beispiel Liverpool oder Arsenal, Sevilla oder Valencia mehr oder weniger häufig betroffen. Kein Wunder also, dass auch Schalke seine Felle davon schwimmen sieht.

So fordert Peter Peters bereits eine Reform des DFB-Pokals. Ziel soll sein, den kleinen Vereinen möglichst Steine in den Weg zu legen, damit die Wahrscheinlichkeit der Qualifikation zur CL auf diesem Wege für seine Königsblauen steigt. Wie die Aussehen soll, das ist noch offen.

Mein Vorschlag: Wie wäre es, wenn der Pokal in einer Gruppenphase ausgespielt wird, an der die 18 besten deutschen Mannschaften teilnehmen dürfen?

Dienstag, 10. Juli 2007

Copa geht los

Ich hab mir zwar einiges Vorrunden-Gedöns angeguckt, aber gefühlt geht die Copa America erst heute abend richtig los. Okay, es war recht begeisternd, wie sich die limitierten Venezuelaner zerrissen. Mexikos Mannschaftsleistung war beeindruckend.

Für Brasilien und Argentinien war es dennoch ein Spaziergang ins Halbfinale und mit Uruguay wartet selbst dort auf Brasilien ein eher mediokrer Gegner. Vielleicht ist es doch keine so gute Idee, das Spiel offensiv auszurichten, wenn man nicht die Klasse des Gegners hat. Auch wenn Urs Siegenthaler glaubt, die Copa stünde nicht hinter der EM zurück, so bietet die EM doch eine deutlich größere Leistungsdichte und dadurch auch natürlich auch mehr Spannung.

Dumm nur, dass man auf richtig guten Fußball a la Argentinien-Mexiko verzichten muss, wenn man zum arbeitenden Teil der Bevölkerung gehört.

Samstag, 7. Juli 2007

Amerikanische Verhältnisse in Österreich

Der Erfolg frisst seine Kinder: Wer glaubte, nur in Amerika könnten Vereine per Handstreich in eine andere Stadt umgelagert werden, sollte nach Österreich blicken. Ein unter vielen Namen bekannte Kleinstadtverein aus Pasching wird kurzerhand 300 Kilometer umgepflanzt.

Unter dem Namen ASKÖ Pasching wurde vor rund 60 Jahren ein durchschnittlicher Bezirksliga-Verein in Oberösterreich, eher nahe der deutschen Grenze, gegründet. In den 90er Jahren erfolgte eine steiler Aufstieg, der letztendlich in der ersten Liga, im UI-Cup und als Alptraum von Werder Bremen endete. Zwischenzeitlich hatte der Club seine kaum vorhandene Tradition verkauft und lief als SV PlusCity und ab 2002 als FC Superfund Pasching auf.

Die Ära Pasching wurde im April 2007 rabiat beendet. Der Vereins-Präsident gab bekannt, dass der Verein samt Erstliga-Spielberechtigung nach Klagenfurt, eher nahe der italienischen Grenze, wechseln würde. In eine Stadt ohne angemessenes Fußball-Stadion, wohl aber mit dem Versprechen einer besseren Infra-Struktur und einem Stadion-Neubau. Einem Argument also, das auch in den USA gang und gäbe ist für – wie es dort heißt – dem „Verkauf einer Franchise“.

Unter dem Namen „SK Austria Kärnten“ wird der Verein künftig antreten – offensichtlich auf die Tradition der Austria Klagenfurt aufbauend, die in den 70er-Jahren Weltklasse-Fußballer wie Lothar Emmerich beschäftigte und heute weit abgetaucht ist.

Nun sind solche Entartungen in der Österreichischen Liga nicht fremd, man bedenke die feindliche Übernahme des SV Austria Salzburg durch Red Bull. Dennoch sollte es bedenklich stimmen, wenn Spielberechtigungen für oberste Ligen nicht an Standorte, sondern an die Willkür der Verantwortlichen oder „Inhaber“ gebunden sind.

Sonntag, 1. Juli 2007

Der Letzte der Guten

Christiano Lucarelli ist ein besonderer Fußballer. Er ist der Sohn eines Hafenarbeiters aus Livorno. Er ist bekennender Kommunist und Mitglied der Livorno-Ultras. Auf seinem Arm ist das Wappen seines Vereins eintätowiert. Er hat auf eine halbe Million Euro pro Jahr verzichtet, damit er statt für den AC Turin in der ersten Liga, für Livorno in der zweiten Liga spieln durfte. Er schoss sein Team in die erste Liga und wurde ein Jahr später Torschützenkönig in der Serie A.

Christiano Lucarelli war für mich immer das gute Gewissen des Fußballs. Der Typ, der meinen Glauben aufrecht erhalten hat, dass es Profis geben kann, die nicht für Geld, sondern für die Ehre spielen.

Lucarelli wird Livorno verlassen und künftig für den AC Palermo spielen. Die letzte Bastion ist eingerissen. Sehr schade.

Montag, 25. Juni 2007

Der Meister nach dem Meister nach dem Meister

Die italienische Meisterschaft 2005/2006 mutiert immer mehr zum Wanderpokal. Inter Mailand kam bereits an die Trophäe wie die Jungfrau zum Kinde, nachdem der Tabellenerste Juve in die zweite Liga geschickt wurde. Nun wurde eine Bilanzfälschung aufgedeckt und Inter darf den Pokal vielleicht an den AS Rom weiterschicken.

Mal gucken, was noch passiert. Wenn auch bei der Roma noch was im Busch ist, kommt in ein, zwei Jährchen vielleicht das damals fünftplatzierte Chievo Verona nachträglich zu Meisterehren. Bei denen könnte man sich sicher sein, dass sie sich drüber freuen würden. Denn der Verein hat sonst nicht mehr viel zu lachen – ist er doch gerade in die zweiten Liga abgestiegen.

Freitag, 12. Januar 2007

Beckham meets Catweazle

Eigentlich vermutete ich, Alexi Lalas würde mittlerweile einer Rockergang im mittleren Westen angehören. Alexi lalas? Genau, der Ami, der Anfang der 90er den Grunge-Look in den Fußball gebracht hat und bei der WM auflief wie Catweazle.

Falsch gedacht. Lalas ist Präsident von Beckhams neuem Verein L.A. Galaxy und sieht ganz zahm aus. Im Fanshop des Vereins soll es übrigens bald neue Lektüre geben.

Mittwoch, 29. November 2006

Cannavaro - die Defensive wird geadelt

An dieser Stelle möchte ich mal eine Lanze für alle Abwehrspieler dieser Welt brechen: Natürlich sieht man selten spielentscheidende Szenen von ihnen. Und wenn, dann meistens weil der Gegner aufgrund eines katastrophalen Fehlers ein Tor schießt. Natürlich glänzen sie nicht mit technischen Glanzstücken, denn wenn sie es tun, dann bekommen Trainer und Zuschauer einen Herzinfarkt.

Doch warum sollten Abwehrspieler unwichtiger sein als Stürmer oder Mittelfeldspieler sein? Warum sollten sie nicht sogar größeren Anteil am Erfolg der Mannschaft haben. Es gibt keinen Grund, der Wert der Abwehrspieler ist nur wesentlich schlechter messbar und offensichtlich.

Ich jedenfalls kann mich gar nicht darüber aufregen, dass Fabio Cannavaro zum besten europäischen Fußballer ausgerufen wurde. Ich kann mich eher darüber aufregen, dass einem Franco Baresi diese Ehre nie zuteil wurde.

Welch unterschiedliche Maßstäbe hier angelegt werden, wird durch die Platzierung Zidanes deutlich. Der hat noch nicht einmal großartig geglänzt, hat bei der WM einige gute, wenn auch nicht herausragende Spiele gemacht und sich bei Real Madrid nicht oft ausgezeichnet. Dennoch wurde er ob seiner potentiellen Genialität auf den fünften Platz gelobt.

Die Titel wurden in diesem Jahr durch die Abwehrreihen entschieden. Deswegen ist es nur logisch, dass einer der herausragenden Vertreter dieser Zunft zum Fußballer des Jahres gewählt wurde. Vielleicht nicht aufgrund seiner individuellen Klasse, sondern als Aushängeschild eines funktionierenden Verbunds. Das zu beklagen ist müßig. Ist es ein tatsächlich ein Offenbarungseid der Offensivkräfte oder vielleicht ein Gütesiegel der Defensive, die sich taktisch perfektioniert hat?

Fußball ist nicht Schönspielerei, sondern Erfolg. Cannavaro steht für diesen Erfolg mehr als Henry, das personifizierte Leverkusen dieser Saison. Henry verkörpert den attraktiven Fußball - der aber in diesem Jahr stets zweiter Sieger geblieben ist.

Die Gegenmeinung gibts bei Fußball-Biss

Dienstag, 14. November 2006

Doping in Italien

Gestern in der Sportreportage gab es ausnahmsweise mal wieder Hintergrund. Und was dort gezeigt wurde war einigermaßen erschreckend: Dopingpraktiken in Italien, in den 60ern und 70ern exzessiv betrieben, in deren Folge ehemalige Profis reihenweise an Krebs und anderen üblen Krankheiten verreckten (bzw. immer noch verrecken).

Noch erschreckender aber ist die Tatsache, dass der verantwortliche Arzt bei Juventus Turin immer noch im Amt ist. Da erscheint das Cannavaro-Video in einem noch übleren Licht.

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Dem Krone setzte die ganze Sache der Blatter Sepp auf, der die ganze Geschichte vor den Kameras hübsch kleinzureden versuchte. Wieder einmal typisch FIFA - alles, was in deren Weltbild nicht reinpasst, wird unter den Teppich gekehrt und der Beschiss darf weitergehen.

Donnerstag, 19. Oktober 2006

And the Worldfootballer is....

Unter den Kandidaten zum Weltfußballer des Jahres findet sich viel Füllstoff und sogar Füllstoff, bei dem man sich die Augen reibt: Figo? Vor fünf Jahren vielleicht. Rosicky? Schonmal ein Spiel von Dortmund gesehen?

Aber es geht bei diesen Namen ja eigentlich nur darum, eine größere Auswahl zu suggerieren. Ernsthaft wird es auf eine Handvoll Kandidaten hinauslaufen. Insbesondere wenn man die üblichen Kriterien betrachtet.

In einem WM-Jahr muss der Sieger eigentlich und nach aller Erfahrung aus der Mannschaft des Weltmeisters kommen. Mindestens aber sollte er im Halbfinale gestanden haben. Damit sind schonmal alle Argentinier und Brasilianer draußen. Auch Ronaldinho, weil er die Erwartungshaltungen nach der großartigen Saison bei Barca nicht ansatzweise bestätigen konnte.

Aber WM alleine wäre auch etwas billig. Die Champions League darf natürlich nicht unbeachtet bleiben und als Sahnehäubchen wäre ein gutes Abschneiden in der nationalen Meisterschaft nicht verkehrt.

Die Top-Kandidaten kommen also aus Italien. Die Spieler von Mailand und Juve dürften auf Augenhöhe liegen, weil Juve Meister wurde, Milan dafür in der Champions-League eine Runde weiter bis ins Halbfinale vordrang. Bezeichnenderweise steht mit Pirlo nur ein Offensivmann der Azzuri zur Wahl und dürfte recht gute Aussichten haben. Die eigentliche Stärke der Italiener war aber die Abwehr, und deswegen meine ich, sollte auch ein Defensiv-Mann ausgezeichnet werden. Mein persönlicher Favorit, Gattuso, dürfte weniger Chancen haben, als Fabio Cannavaro.

Hinter diesen Jungs auf der Liste steht bei mir Thierry Henry der sein Leistungsvermögen mit einer astreinen Saison und Final-Teilnahmen mit Arsenal und Frankreich bestätigt hat. Zidane hingegen hatte neben seinem Aussetzer bei der WM auch nicht gerade eine herausragende Saison bei Real.

Knapp dahinter sehe ich Deco, einen von Barcas Erfolgsgaranten, der bei der WM verletzungsbedingt nicht die Akzente setzen konnte, die möglich gewesen wäre, aber dennoch eine Stütze seiner Mannschaft war.

Hätte Klose nicht bei Werder Bremen, sondern bei einem glamouröseren und international besser aufgestelltem Club gespielt, hätte ich ihm eine Platzierung in der Top-Gruppe zugetraut. So wird wahrscheinlich nur Ballack an den vorderen Plätzen schnuppern, jedoch ohne Aussicht auf das Treppchen.

Mittwoch, 18. Oktober 2006

Englische Härte oder barbarische Sitten?

Es scheint ein hervorragender Anlass für Besserwissertum zu sein: Die üble Verletzung Petr Cechs. Nun schreien alle die auf, die wahrscheinlich kurz zuvor noch die Ursprünglichkeit des englischen Fußballs gepriesen haben. Sie schimpfen auf die unnötige Härte des Stürmers und auf die viel zu laxe Regelauslegung des Schiedsrichters.

Wenn ich mir die Bilder anschaue, dann sieht das auf den ersten Blick nach einem Allerwelts-Zusammenprall aus. Der hat zwar leider extrem unglückliches Ende genommen, aber weder sehe ich eine grobe Unsportlichkeit - der Stürmer ist noch nicht mal offensiv zum Ball gegangen, sondern hat einfach nur den Sprint durchgezogen - noch einen direkten Anlass, eine gefährliche Verletzung zu erkennen.

Deswegen: Mal schön den Ball flach halten. Solche Unfälle sind nicht zu vermeiden, selbst wenn die Fifa morgen die Kontaktlosigkeit deklarieren würde. Leider ist ebensowenig die Mentalität zu vermeiden, überall einen Schuldigen finden zu wollen.

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