Spielergehälter sind relativ. Aus Sicht der Profis sind sie, vor allem bei den eher durchschnittlichen Kickern, viel zu niedrig. Wie sonst ist es zu erklären, dass ein Christian Timm trotz eines Vertrags, der Kaiserslautern an den Rande des Ruins gebracht hat, knietief im Dispo steht? So tief, dass er für ein paar Mücken bei Greuther Fürth ein ums andere Mal den Aufstieg knapp verpassen muss.
Ist ja auch nicht einfach. Dolce und Gabbana ist halt nicht billig, und man will ja auch nicht zweimal dieselbe Hose anziehen müssen. Und die Öko-Steuer zehrt an der Substanz. Fragt mal Thorsten Frings, was so ein
Hummer und ein Ferrari auf 100 Kilometern frisst.
Aus Sicht der Vereine wiederum sind die Gehälter viel zu hoch. Vor allem, weil alle anderen Clubs die Preise kaputt machen. Würde jeder nur so viel ausgeben, wie auf der anderen Seite wieder rein kommt - ein Ronaldinho würde nur noch auflaufen, damit die Leute wissen, wer der lustige Typ mit dem krummen Gebiss in den Nike-Werbespots ist.
Vor 30 Jahren sah das noch alles ganz anders aus. Ein Weltklassemann wie Katsche Schwarzenbeck schwang höchstens mal vor einem Schwabinger Autohaus die Werbetrommel und bekam dafür einen Teller Erbsensuppe und eine Gratis-Inspektion. Sein Gehalt bei Bayern reichte dank sparsamem Wirtschaften für eine eigene
Lotto-Annahmestelle. Während sich in England Leute wie George Best wenigstens
glamourös zu Tode soffen, reichte in den 80ern das karge Bremer Gehalt gerade so aus, dass sich Uli Borowka ein eigenes Kühlhaus bauen konnte, um darin an heißen Tagen
einen Kasten Weizenbier zu trinken.
Einige Klassen tiefer gibt es nur noch den Kasten Bier, ohne das Kühlhaus. Als ich vor zwölf Jahren aus der Jugend in die Bezirksliga wechselte, bekam ich als Lohn eine Portion Fritten mit Bockwurst nach dem Spiel und im Falle eines Punktgewinns 20 Euro in die Mannschaftskasse. Am Ende der Saison wurden die Prämien im
Sauerlandstern auf den Kopf gehauen.
Ich sollte erwähnen, dass ich ein eher unterdurchschnittlicher Manndecker war. Die Stars der Bezirksliga durften sich über höhere Zuwendungen freuen. Holte ein aufstrebender Provinzclub einen verbandsligatauglichen Stürmer griff der örtliche Bauunternehmer schon mal tief in die Tasche und überwies monatlich einen dreistelligen Betrag - für einen Dachdecker ein erklecklicher Zusatzverdienst.
Nichts gegen Dachdecker. Das ist ein ordentlicher Beruf und wenn es so wie bei mir zuhause, hin und wieder durch die Decke regnet, weiß man, was man an daran hat. Die heutigen Profis hingegen haben gar keine Zeit mehr, einen ordentlichen Beruf zu lernen. Mit circa zwölf Jahren geht es ins Fußballinternat und dann kann man froh sein, wenn es mit dem Schulabschluss klappt. Wann soll man schon lernen, zwischen den beiden Einheiten jeden Tag? Da muss man schon ein geistiger Überflieger sein wie
Olli Bierhoff oder
Jens Lehmann, dann klappt’s auch mit dem Fernstudium. Oder man hat einen guten Anlageberater, so wie Thomas Broich. Dann kann man es sich sogar leisten, Philosoph werden zu wollen.
Dülp - 13. Okt, 21:41