Tales from the Kreisliga Teil 3: Auf nach Bayern
Keine Saisonvorbereitung, auch in der Kreisliga B, kann perfekt sein ohne ein Trainingslager. Ein ganzes Wochenende, von Freitag bis Sonntag, war auserkoren und mit Einheiten vollgepackt worden. In Allerherrgottsfrühe verließen drei Autos das Siegerland Richtung Bayern. Doch halt - Schillingsfürst liegt nicht in Bayern, wie wir uns wortgewaltig belehren lassen mussten, sondern in Franken. Nur aufgrund politischer Okkupation sei das Territorium in den Staatsgrenzen der Bajuvaren eingepfercht. Da 90 Prozent der aktiven Vereinsmitglieder des FC "Franken" Schillingsfürst jedoch in FCB-Trikots aufliefen, zähle ich sie zumindest ideologisch zum Münchner Einzugsgebiet.
Erste Begeisterung bereits kurz nach der Ankunft im Hotel: Man kann einen Pfannkuchen mit Bratwurstmasse füllen. Die Suppe mit entsprechender Einlage fand reißenden Absatz. Beim anschließenden Training rächte sich der deftige Genuß. Unser Vereinsvorsitzender Rüssel (ein typischer Fußballer-Kampfname, resultierend aus übermäßigem Genuß von Elephant-Bier) vertrat Trainer Klaus gebührend. Meint: Er scheuchte uns bei gefühlten 60 Grad Celcius quer über den C-Platz unserer Gastgeber. Glücklicherweise hatten wir unser Service-Team dabei, bestehend aus den Bierausschenkern unserer Heimspiele, Mütze und Dahl (zwei weitere Fußball-Kampfnamen, deren Ursprung allerdings unbekannt ist), die einen portablen Kühlschrank mit Erfrischungsgetränken verwalteten.
Bei dem sogenannten "C-Platz" handelte es sich um einen astreinen Rasen, nach dem sich jeder aschegeplagte Verein im Ruhrgebiet die Finger lecken würde. Daneben gab es natürlich noch einen B-Platz und einen A-Platz, auf dem man in anderen Regionen Golf spielen würde. Beste Voraussetzungen also, um meine alte Stärke auszuspielen: Die eingesprungene Blutgrätsche.
Nachdem ich mir bereits am Freitag Bestnoten in der Flughaltung verdient hatte, ging es in die sehnsüchtig erwartete Nachbetrachtung des Trainings. Also ans Bier. Leider hatt sich der komplette Kader verkalkuliert, denn die Ankündigung (mäßiges Trinken und frühe Bettruhe) war tatsächlich ernst gemeint. Am nächsten Tag war ich dankbar.
Denn der ging mit einem "Hallo Wach?"-Lauf um sieben Uhr in der Früh los. Dem schlossen sich zwei Einheiten am Morgen und am Nachmittag an, nach denen man rund 80 Prozent des Kaders komplett in die Ecke stellen konnte. Lediglich die Aussicht auf ein Spanferkel gab uns die zweite oder dritte Luft . Die Schillingsfürster, nicht nur an dieser Stelle exquisite Gastgeber, hatten zur zünftigen Einkehr am Vereinsheim geladen. Der Abend verlief ganz ausgezeichnet. Unser ostfriesischer Torwart entdeckte die Vorzüge eines ordentlichen Schweinebratens (an der Nordseeküste steht eher das mühselige Krabbenpuhlen auf dem Partyplan): "Wenn es so etwas immer zu essen gäbe, könnte ich nie Bier trinken." Tatsächlich blieb er nach drei Doppelportionen Sau mit Kartoffelsalat nur zwei Stunden trocken. Ganz das Gegenteil war unser junger Nicht-Hoffnungsträger: "Ich ess nix. Ich trink nur." Er hielt Wort. Vier Stunden später wusste man, warum er am nächsten Tag eher nicht auflaufen würde.
Der Abend endete auf einer lokalen Geburtstagsfeier, auf der ein 60-jähriger dicker Italiener mediterrane Folklore zum Besten gab. Offensichtlich störte, geschweige denn wunderte, es niemanden, dass ein Horde betrunkener, lauter Männer in schwarzen Trainingsanzügen bei einer privaten Party einlief. Unsere Anwesenheit schien sich herumgesprochen zu haben und wir bekamen bei unserer Ankunft ein Frischgezapftes in die Hand gedrückt.
Ganz hart wurde es dementsprechend am nächsten Morgen. Unsere ausgeklügelte Zeitplanung war nämlich nicht aufgegangen. Eigentlich sollten wir bereits am Samstag eine Begegnung gegen die zweite Mannschaft des Gastgebers absolvieren, doch die hatten an diesem Termin bereits ein Pflichtspiel. Anpfiff war stattdessen am Sonntagmorgen um 10.30 Uhr. So stolperten elf bleiche Gestalten auf das Spielfeld. Vom Gegner, einem C-Ligisten, der sich mit mit drei Spieler der Bezirksliga-Mannschaft verstärkt hatte, hatte wohlgemerkt keiner die Party besucht, außer dem Schiedsrichter (der allerdings bis halb Sieben morgens). Beste Voraussetzungen also für eine solide Blamage.
Entgegen allen Expertenmeinungen gelang uns ein glorreicher 6:2 Sieg, denn unserem Mittelstürmer zeigte eine schier unglaubliche Leistung und er erzielte alle sechs Tore. Leider sei es, so ärgerte sich der Mann des Spiels später, die denkbar schlechteste Gelegenheit gewesen, das Spiel seines Lebens zu machen. Erstens: Es sei nicht um Punkte gegangen. Zweitens: Er habe die Erwartungshaltung an ihn für die neue Saison in unüberwindbare Höhen geschraubt.
Einen Tag nach der Rückkehr konnte die gute Leistung des Wochenendes bereits nicht bestätigt werden. Bei der Alchener Sportwoche traf eine müde (und dazu durch Ausfälle geschwächte) Mannschaft auf den SC Eichen-Krombach - eine Mannschaft, die sich hauptsächlich aus Deutsch-Russen rekrutiert und, wenn man es nicht besser wüsste, wahrscheinlich im Gulag geschliffen wurde. Selten habe ich bei einem Freundschaftskick so die Knochen poliert bekommen. Keine dreißig Sekunden ohne Foul an einem unserer Spieler. Die Tragödie des Schicksals: So ziemlich der einzige Freistoß gegen uns führte zum Siegtreffer für die Metzger aus dem Bierdorf Krombach.
Eine äußerst positive Nachwirkung hatte das Trainingslager in jedem Fall: Unser Selbstbewußsein stieg in luftige Höhen. Bisher hatten wir uns für einen körperlich unförmigen, bierseligen und in der Gemeinschaft kaum gesellschaftfähigen Haufen gehalten. Bei der Abreise fanden wir jedoch Zettel vor, hinter die Scheibenwischer unserer Autos geklemmt, die besagten: "Hallo ihr heißen Fußballer. Wir zwei, Lisa und Tanja, finden euch total sexy, vor allem den einen in der olivgrünen Dreiviertel-Hose mit den kurzen schwarzen Haaren. Aber alle anderen waren auch süß (bla, sülz, schleim, usw.) Meldet Euch doch mal unter den Telefonnummern (wie auch immer). Meldet euch in jedem Fall". Dem objektiven Beobachterbleiben nur zwei Schlüsse: Entweder gibt es in Franken keine fruchtbaren Männer, oder die brauchen ganz dringend eine Auffrischung des Genpools.
P.S.: Ich war nicht der Typ mit der olivgrünen Dreiviertel-Hose
Erste Begeisterung bereits kurz nach der Ankunft im Hotel: Man kann einen Pfannkuchen mit Bratwurstmasse füllen. Die Suppe mit entsprechender Einlage fand reißenden Absatz. Beim anschließenden Training rächte sich der deftige Genuß. Unser Vereinsvorsitzender Rüssel (ein typischer Fußballer-Kampfname, resultierend aus übermäßigem Genuß von Elephant-Bier) vertrat Trainer Klaus gebührend. Meint: Er scheuchte uns bei gefühlten 60 Grad Celcius quer über den C-Platz unserer Gastgeber. Glücklicherweise hatten wir unser Service-Team dabei, bestehend aus den Bierausschenkern unserer Heimspiele, Mütze und Dahl (zwei weitere Fußball-Kampfnamen, deren Ursprung allerdings unbekannt ist), die einen portablen Kühlschrank mit Erfrischungsgetränken verwalteten.
Bei dem sogenannten "C-Platz" handelte es sich um einen astreinen Rasen, nach dem sich jeder aschegeplagte Verein im Ruhrgebiet die Finger lecken würde. Daneben gab es natürlich noch einen B-Platz und einen A-Platz, auf dem man in anderen Regionen Golf spielen würde. Beste Voraussetzungen also, um meine alte Stärke auszuspielen: Die eingesprungene Blutgrätsche.
Nachdem ich mir bereits am Freitag Bestnoten in der Flughaltung verdient hatte, ging es in die sehnsüchtig erwartete Nachbetrachtung des Trainings. Also ans Bier. Leider hatt sich der komplette Kader verkalkuliert, denn die Ankündigung (mäßiges Trinken und frühe Bettruhe) war tatsächlich ernst gemeint. Am nächsten Tag war ich dankbar.
Denn der ging mit einem "Hallo Wach?"-Lauf um sieben Uhr in der Früh los. Dem schlossen sich zwei Einheiten am Morgen und am Nachmittag an, nach denen man rund 80 Prozent des Kaders komplett in die Ecke stellen konnte. Lediglich die Aussicht auf ein Spanferkel gab uns die zweite oder dritte Luft . Die Schillingsfürster, nicht nur an dieser Stelle exquisite Gastgeber, hatten zur zünftigen Einkehr am Vereinsheim geladen. Der Abend verlief ganz ausgezeichnet. Unser ostfriesischer Torwart entdeckte die Vorzüge eines ordentlichen Schweinebratens (an der Nordseeküste steht eher das mühselige Krabbenpuhlen auf dem Partyplan): "Wenn es so etwas immer zu essen gäbe, könnte ich nie Bier trinken." Tatsächlich blieb er nach drei Doppelportionen Sau mit Kartoffelsalat nur zwei Stunden trocken. Ganz das Gegenteil war unser junger Nicht-Hoffnungsträger: "Ich ess nix. Ich trink nur." Er hielt Wort. Vier Stunden später wusste man, warum er am nächsten Tag eher nicht auflaufen würde.
Der Abend endete auf einer lokalen Geburtstagsfeier, auf der ein 60-jähriger dicker Italiener mediterrane Folklore zum Besten gab. Offensichtlich störte, geschweige denn wunderte, es niemanden, dass ein Horde betrunkener, lauter Männer in schwarzen Trainingsanzügen bei einer privaten Party einlief. Unsere Anwesenheit schien sich herumgesprochen zu haben und wir bekamen bei unserer Ankunft ein Frischgezapftes in die Hand gedrückt.
Ganz hart wurde es dementsprechend am nächsten Morgen. Unsere ausgeklügelte Zeitplanung war nämlich nicht aufgegangen. Eigentlich sollten wir bereits am Samstag eine Begegnung gegen die zweite Mannschaft des Gastgebers absolvieren, doch die hatten an diesem Termin bereits ein Pflichtspiel. Anpfiff war stattdessen am Sonntagmorgen um 10.30 Uhr. So stolperten elf bleiche Gestalten auf das Spielfeld. Vom Gegner, einem C-Ligisten, der sich mit mit drei Spieler der Bezirksliga-Mannschaft verstärkt hatte, hatte wohlgemerkt keiner die Party besucht, außer dem Schiedsrichter (der allerdings bis halb Sieben morgens). Beste Voraussetzungen also für eine solide Blamage.
Entgegen allen Expertenmeinungen gelang uns ein glorreicher 6:2 Sieg, denn unserem Mittelstürmer zeigte eine schier unglaubliche Leistung und er erzielte alle sechs Tore. Leider sei es, so ärgerte sich der Mann des Spiels später, die denkbar schlechteste Gelegenheit gewesen, das Spiel seines Lebens zu machen. Erstens: Es sei nicht um Punkte gegangen. Zweitens: Er habe die Erwartungshaltung an ihn für die neue Saison in unüberwindbare Höhen geschraubt.
Einen Tag nach der Rückkehr konnte die gute Leistung des Wochenendes bereits nicht bestätigt werden. Bei der Alchener Sportwoche traf eine müde (und dazu durch Ausfälle geschwächte) Mannschaft auf den SC Eichen-Krombach - eine Mannschaft, die sich hauptsächlich aus Deutsch-Russen rekrutiert und, wenn man es nicht besser wüsste, wahrscheinlich im Gulag geschliffen wurde. Selten habe ich bei einem Freundschaftskick so die Knochen poliert bekommen. Keine dreißig Sekunden ohne Foul an einem unserer Spieler. Die Tragödie des Schicksals: So ziemlich der einzige Freistoß gegen uns führte zum Siegtreffer für die Metzger aus dem Bierdorf Krombach.
Eine äußerst positive Nachwirkung hatte das Trainingslager in jedem Fall: Unser Selbstbewußsein stieg in luftige Höhen. Bisher hatten wir uns für einen körperlich unförmigen, bierseligen und in der Gemeinschaft kaum gesellschaftfähigen Haufen gehalten. Bei der Abreise fanden wir jedoch Zettel vor, hinter die Scheibenwischer unserer Autos geklemmt, die besagten: "Hallo ihr heißen Fußballer. Wir zwei, Lisa und Tanja, finden euch total sexy, vor allem den einen in der olivgrünen Dreiviertel-Hose mit den kurzen schwarzen Haaren. Aber alle anderen waren auch süß (bla, sülz, schleim, usw.) Meldet Euch doch mal unter den Telefonnummern (wie auch immer). Meldet euch in jedem Fall". Dem objektiven Beobachterbleiben nur zwei Schlüsse: Entweder gibt es in Franken keine fruchtbaren Männer, oder die brauchen ganz dringend eine Auffrischung des Genpools.
P.S.: Ich war nicht der Typ mit der olivgrünen Dreiviertel-Hose
Dülp - 3. Aug, 00:58
2 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks
r0ssi - 5. Aug, 15:26
sehr schöne story mein liaba. nächstes mal will ich mit, bei mädels mit fränkischem akzent werd ich schwach. habt ihr schon nen zeugwart?

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