Tales from the Kreisliga I
Der schlimmste Monat im Kreisligafußball-Jahr ist der Juli. Dann schwebt ein Wort wie in Damokles-Schwert über den Köpfen der Rumpelfüßler, das schlimmste Qualen, peinigenden Schmerz und asketische Entbehrungen bedeutet: "Vorbereitung".
"Vorbereitung" heisst wochenlanger Verzicht auf den Ball, Waldläufe, Sprintübungen, Zirkeltraining. Der Ausdaueraspekt wurde bislang in meiner Mannschaft eher klein geschrieben, um nicht zu sagen völlig vernachlässigt. Besonders alten Säcken wie mir, die im Kader reichlich vorhanden sind, kam diese Philiosophie sehr entgegen.
Letzte Saison hatte sich meine Truppe als wahrscheinlich spielstärkstes Team der Kreisliga B 2 Siegen-Wittgenstein präsentiert. Leider auch als das mit Abstand konditionsschwächste. Die Tabelle der ersten 70 Minuten führten wir also souverän an, in der Schlussphase weist die Statistik einen Abstiegsplatz aus.
Folgerichtig hat Coach Klaus einen Masterplan ausgearbeitet, der dem lauffaulen Pack Beine machen sollte. "Bringt zu jedem Training Turnschuhe mit", lautete die Ankündigung, die uns Spieler erzittern ließ. Gestern kam die erste Stunde der Wahrheit.
In lockerem Tempo trabten wir zwei Kilometer zum "Waldrundkurs", wie er allgemein und mit bedrohlichem Unterton genannt wurde (ich spiele noch nicht lange in diesem Verein. Die Topographie des umliegenden Geländes ist mir bisher verschlossen geblieben). Zwei Sportskameraden ging bereits nach der Hälfte des Einlaufens die Puste aus und sie erreichten gehend den eigentlichen Startpunkt.
Knapp fünf Kilometer lagen vor uns und die sollten, forderte Klaus, auf Zeit gelaufen werden. Nicht verzagen, sagte ich mir, und klemmte mich hinter den Pacemaker. Leider kommt die hügelige Siegerländer Landschaft meiner niederrheinischen Konstitution alles andere als entgegen, so dass ich den Führenden, der bergziegenartig jede Steigung nahm, schnell ziehen lassen musste. Zwei unendlich lange Kilometer führte die Strecke konstant bergauf. Die Hälfte war noch nicht geschafft und ich musste erkennen, dass der schnelle Start alles andere als eine gute Entscheidung gewesen war.
Als endlich der Gipfel erreicht war pumpte ich wie ein Lokomotive. Die Beine wurden schwer wie Blei und meine Verfolger zogen lässig an mir vorbei. Doch halt! Das konnte ich nicht auf mit sitzen lassen, und so klemmte ich mich hinter die Verfolgergruppe, in der Hoffnung, das Ziel sei nicht mehr weit. Welch ein Irrtum!
Ich war bereits gefühlte neun Kilometer unterwegs und immer noch nahm der Waldweg kein Ende. Stattdessen war das Gefälle wieder einer leichten Steigung gewichen. Jeder Schritt schmerzte. Ich verlor den Anschluss, zwanzig Meter hing ich hinter den Kollegen, als sie scharf links abbogen.
Gerade wollte ich die letzten Reserven mobilisieren, ich wusste, das musste der Zieleinlauf sein, als ich erkannte, was sich hinter der Biegung verbarg: Ein 15-Prozentiger Anstieg. Die Antwort meines Körpers: "Nö, keinen Bock mehr!" Gaaanz langsam spazierte ich hinauf, zum Zeitnehmer waren es vielleicht noch Zweihundert Meter, als ich hinter mir einen Verfolger bemerkte. Es war Paul, unser Betreuer, der an diesem Tag seinen 56. Geburtstag feierte. Bei aller Erschöpfung - das durfte ich mir natürlich nicht bieten lassen. Ein letztes Mal mobilisierte ich die Reserven und lief bei 22.45 Minuten ein (Zu meiner Ehrenrettung: Paul war lange nicht der letzte. Bei unseren Manndeckern blieb die Uhr bei weit über 30 Minuten stehen).
Nach einem lockeren Trab zurück zum Sportplatz, wobei sich locker ganz gewiss nicht auf meine Muskulatur bezog, wurden wir sogar mit einem 30-minütigen Abschlusskick belohnt. Wenn der Ball im Spiel ist, werde ich leider zum kleinen Hund. Da muss ich einfach hinterherlaufen. bestraft wurde dieser überschwengliche Einsatz mit leichten Krämpfen in beiden Waden. Auf das Bier nach dem Training habe ich zugunsten eines isotonischen Durstlöschers dankend verzichtet
Bis heute Abend bleibt Zeit, einen unglaublich schmerzhaften Muskelkater auszukurieren. Dann gehts weiter wie gestern: Geländelauf steht auf dem Programm. Mit Treppensprints. Ich hab keinen Bock.
"Vorbereitung" heisst wochenlanger Verzicht auf den Ball, Waldläufe, Sprintübungen, Zirkeltraining. Der Ausdaueraspekt wurde bislang in meiner Mannschaft eher klein geschrieben, um nicht zu sagen völlig vernachlässigt. Besonders alten Säcken wie mir, die im Kader reichlich vorhanden sind, kam diese Philiosophie sehr entgegen.
Letzte Saison hatte sich meine Truppe als wahrscheinlich spielstärkstes Team der Kreisliga B 2 Siegen-Wittgenstein präsentiert. Leider auch als das mit Abstand konditionsschwächste. Die Tabelle der ersten 70 Minuten führten wir also souverän an, in der Schlussphase weist die Statistik einen Abstiegsplatz aus.
Folgerichtig hat Coach Klaus einen Masterplan ausgearbeitet, der dem lauffaulen Pack Beine machen sollte. "Bringt zu jedem Training Turnschuhe mit", lautete die Ankündigung, die uns Spieler erzittern ließ. Gestern kam die erste Stunde der Wahrheit.
In lockerem Tempo trabten wir zwei Kilometer zum "Waldrundkurs", wie er allgemein und mit bedrohlichem Unterton genannt wurde (ich spiele noch nicht lange in diesem Verein. Die Topographie des umliegenden Geländes ist mir bisher verschlossen geblieben). Zwei Sportskameraden ging bereits nach der Hälfte des Einlaufens die Puste aus und sie erreichten gehend den eigentlichen Startpunkt.
Knapp fünf Kilometer lagen vor uns und die sollten, forderte Klaus, auf Zeit gelaufen werden. Nicht verzagen, sagte ich mir, und klemmte mich hinter den Pacemaker. Leider kommt die hügelige Siegerländer Landschaft meiner niederrheinischen Konstitution alles andere als entgegen, so dass ich den Führenden, der bergziegenartig jede Steigung nahm, schnell ziehen lassen musste. Zwei unendlich lange Kilometer führte die Strecke konstant bergauf. Die Hälfte war noch nicht geschafft und ich musste erkennen, dass der schnelle Start alles andere als eine gute Entscheidung gewesen war.
Als endlich der Gipfel erreicht war pumpte ich wie ein Lokomotive. Die Beine wurden schwer wie Blei und meine Verfolger zogen lässig an mir vorbei. Doch halt! Das konnte ich nicht auf mit sitzen lassen, und so klemmte ich mich hinter die Verfolgergruppe, in der Hoffnung, das Ziel sei nicht mehr weit. Welch ein Irrtum!
Ich war bereits gefühlte neun Kilometer unterwegs und immer noch nahm der Waldweg kein Ende. Stattdessen war das Gefälle wieder einer leichten Steigung gewichen. Jeder Schritt schmerzte. Ich verlor den Anschluss, zwanzig Meter hing ich hinter den Kollegen, als sie scharf links abbogen.
Gerade wollte ich die letzten Reserven mobilisieren, ich wusste, das musste der Zieleinlauf sein, als ich erkannte, was sich hinter der Biegung verbarg: Ein 15-Prozentiger Anstieg. Die Antwort meines Körpers: "Nö, keinen Bock mehr!" Gaaanz langsam spazierte ich hinauf, zum Zeitnehmer waren es vielleicht noch Zweihundert Meter, als ich hinter mir einen Verfolger bemerkte. Es war Paul, unser Betreuer, der an diesem Tag seinen 56. Geburtstag feierte. Bei aller Erschöpfung - das durfte ich mir natürlich nicht bieten lassen. Ein letztes Mal mobilisierte ich die Reserven und lief bei 22.45 Minuten ein (Zu meiner Ehrenrettung: Paul war lange nicht der letzte. Bei unseren Manndeckern blieb die Uhr bei weit über 30 Minuten stehen).
Nach einem lockeren Trab zurück zum Sportplatz, wobei sich locker ganz gewiss nicht auf meine Muskulatur bezog, wurden wir sogar mit einem 30-minütigen Abschlusskick belohnt. Wenn der Ball im Spiel ist, werde ich leider zum kleinen Hund. Da muss ich einfach hinterherlaufen. bestraft wurde dieser überschwengliche Einsatz mit leichten Krämpfen in beiden Waden. Auf das Bier nach dem Training habe ich zugunsten eines isotonischen Durstlöschers dankend verzichtet
Bis heute Abend bleibt Zeit, einen unglaublich schmerzhaften Muskelkater auszukurieren. Dann gehts weiter wie gestern: Geländelauf steht auf dem Programm. Mit Treppensprints. Ich hab keinen Bock.
Dülp - 12. Jul, 15:39
Trackbacks zu diesem Beitrag
supercluster.twoday.net - 12. Jul, 19:31
Marathon ist keine Stadt, Teil I
Irgendwann im Herbst 2004 kam mir... [weiter]
r0ssi - 12. Jul, 18:37
Nanana
Stapel mal nicht so tief, 22.45 ist doch ne gute Zeit wenn Du mich fragst. Kannst ja am Samstag hier mitlaufen kommen: http://www.koelner-halbmarathon.de/ :-)
Don Z (Gast) - 13. Aug, 04:00
Ich wiess nicht recht...
...ob ich dir das so glauben kann. Ich kenne Kreisligamanndecker, die 5 km in unebenem Gelände mühelos unter 20 min. laufen. grins.
Ich bin auf weitere "Tales from the Kreisliga" so richtig gespannt.
Don Z (Manndecker)
Ich bin auf weitere "Tales from the Kreisliga" so richtig gespannt.
Don Z (Manndecker)

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