Dejagah wird zum Politicum
Beschissenes Thema. Der Nahost-Konflikt hat irgendwie den deutschen Fußball erreicht.
Die offiziellen Fakten: Askan Dejagah hat ein U21-Länderspiel gegen Israel abgesagt. Er ist Deutsch-Iraner. Die Gründe sollen persönlich bleiben.
Ganz schlechte PR vom DFB. Die Drecksmedien nehmen den Steilpass mit Anlauf auf. Normal müsste Dejagah eine Wadenverhärtung, eine Muskelreizung oder ähnliches haben (hey, damit bin ich in der 12. Klasse aus dem Schneider gekommen, das ist nicht originell).
Aber nein, wir müssen diese Diskussion führen. Im Bildblog werden die Hintergründe klarer. Dejagahs Bruder spielt Fußball für Teheran, seine Angehörigen leben immer noch im Iran und könnten - wohlgemerkt könnten - Repressalien erwarten, wenn der Wolfsburger gegen Israel aufläuft. Denn genau dieses ist Iranern von der politischen Führung verboten.
Erwarte ich von einem 21-jährigen, dass er ein politisches Zeichen setzt, wenn seine Verwandten direkt darunter leiden könnten? Ich glaube, dass ist zuviel verlangt. Und es ist sicher nicht konstruktiv vom Zentralrat der Juden, den Spieler anzuprangern.
Es ist einfach superbitter: Man darf sich auf keinen Fall von fundamentalitischen Kräften die Aufstellung diktieren lassen. Aber man darf auch keinen zwingen, die Gesundheit der eigenen Familie aufs Spiel zu setzen. Das kleinere Übel ist also das Einknicken.
Ich erwarte in diesem Zusammenhang ein deutliches Zeichen vom DFB. Es ist in Ordnung, dass der Verband den Spieler schützt. Aber gleichzeitig muss eine klare Reaktion folgen. Auch wenn diese undiplomatisch ausfallen sollte, ist es am Verband, nicht am Spieler, für klare Verhältnisse zu sorgen.
Sport sollte völkerverbindend sein, kein Politikum. Gerade der Fußball, der Sport ist es, der uns mit Iranern, Irakern, Chinesen und Burmanesen verbindet. Diese kleine Nische der Gemeinsamkeit darf nicht missbraucht werden.
Diskussion zu dem Thema bei aas
Die offiziellen Fakten: Askan Dejagah hat ein U21-Länderspiel gegen Israel abgesagt. Er ist Deutsch-Iraner. Die Gründe sollen persönlich bleiben.
Ganz schlechte PR vom DFB. Die Drecksmedien nehmen den Steilpass mit Anlauf auf. Normal müsste Dejagah eine Wadenverhärtung, eine Muskelreizung oder ähnliches haben (hey, damit bin ich in der 12. Klasse aus dem Schneider gekommen, das ist nicht originell).
Aber nein, wir müssen diese Diskussion führen. Im Bildblog werden die Hintergründe klarer. Dejagahs Bruder spielt Fußball für Teheran, seine Angehörigen leben immer noch im Iran und könnten - wohlgemerkt könnten - Repressalien erwarten, wenn der Wolfsburger gegen Israel aufläuft. Denn genau dieses ist Iranern von der politischen Führung verboten.
Erwarte ich von einem 21-jährigen, dass er ein politisches Zeichen setzt, wenn seine Verwandten direkt darunter leiden könnten? Ich glaube, dass ist zuviel verlangt. Und es ist sicher nicht konstruktiv vom Zentralrat der Juden, den Spieler anzuprangern.
Es ist einfach superbitter: Man darf sich auf keinen Fall von fundamentalitischen Kräften die Aufstellung diktieren lassen. Aber man darf auch keinen zwingen, die Gesundheit der eigenen Familie aufs Spiel zu setzen. Das kleinere Übel ist also das Einknicken.
Ich erwarte in diesem Zusammenhang ein deutliches Zeichen vom DFB. Es ist in Ordnung, dass der Verband den Spieler schützt. Aber gleichzeitig muss eine klare Reaktion folgen. Auch wenn diese undiplomatisch ausfallen sollte, ist es am Verband, nicht am Spieler, für klare Verhältnisse zu sorgen.
Sport sollte völkerverbindend sein, kein Politikum. Gerade der Fußball, der Sport ist es, der uns mit Iranern, Irakern, Chinesen und Burmanesen verbindet. Diese kleine Nische der Gemeinsamkeit darf nicht missbraucht werden.
Diskussion zu dem Thema bei aas
Dülp - 9. Okt, 00:06
Trackbacks zu diesem Beitrag
steckschuss.twoday.net - 9. Okt, 12:34
Dejagahs "Judenboykott"
Die Fakten sind so weit bekannt:... [weiter]
Welt Hertha Linke - 11. Okt, 14:13
Ashkan Dejagah und die schwierige Frage: Wie geht man mit seiner L�nderspielabsage um?
Ich habe mich ja erst einmal zur�ckgehalten... [weiter]
Nick Sweetdrums - 9. Okt, 01:22
Hey, da hab ich auch grad was drüber geschrieben. Und ich sehe das ein bisschen anders: Ich fände, es wäre das kleinere Übel, wenn Dejagah nicht mehr Nationalspieler wäre, als wenn der DFB die politischen Gründe, seien sie nun vom Spieler selbst oder vom iranischen Regime, akzeptieren würde.
Dejagah spielt für die deutsche Nationalmannschaft, nicht für die iranische, und ich denke nicht, dass die iranische Regierung scharf auf die Publicity wäre, die es gäbe, wenn deswegen gegen seine Verwandten vorgegangen würde.
Dejagah spielt für die deutsche Nationalmannschaft, nicht für die iranische, und ich denke nicht, dass die iranische Regierung scharf auf die Publicity wäre, die es gäbe, wenn deswegen gegen seine Verwandten vorgegangen würde.
Dülp - 9. Okt, 01:51
Ich kann auf jeden Fall auch die andere, deine Meinung verstehen. Ich bin für absolut null Toleranz gegenüber undemokratischen, menschenverachtenden Tendenzen. Ich sehe Dejagah allerdings als potentielles Bauernopfer zwischen den Fronten. Und dafür würde ich an seiner Stelle weder mich und vor allem nicht meine Familie hergeben.
Klar, kann er es drauf ankommen lassen und genau das wäre wünschenswert. Aber ich bin ein verdammt astreiner Deutscher vo Niederrhein und du hast wahrscheinlich einen westfälischen Hintergrund seit drei Generationen. Deswegen messe ich mir nicht an, in so einem Fall für den Spieler zu entscheiden. Das kann ich einfach nicht, weil ich niemals in seiner Situation sein möchte.
Ich gehe davon aus, dass wenn ein Zwanziger, den ich wirklich hoch schätze, in der Situation das ok gibt, dass da definitv mehr dran ist als völkische Abneigung.
Klar, kann er es drauf ankommen lassen und genau das wäre wünschenswert. Aber ich bin ein verdammt astreiner Deutscher vo Niederrhein und du hast wahrscheinlich einen westfälischen Hintergrund seit drei Generationen. Deswegen messe ich mir nicht an, in so einem Fall für den Spieler zu entscheiden. Das kann ich einfach nicht, weil ich niemals in seiner Situation sein möchte.
Ich gehe davon aus, dass wenn ein Zwanziger, den ich wirklich hoch schätze, in der Situation das ok gibt, dass da definitv mehr dran ist als völkische Abneigung.
Don Z (Gast) - 9. Okt, 10:22
Also wenn eine iranstämmiger Nationalspieler eine Israelreise absagt, sollte man mit der Begründung schon ehrlich umgehen, egal ob der Reaktion der "Drecksmedien" oder der obligatorischen Empörung des ZdJ. Angst um seine Familie wäre ein akzeptabler Grund (@ N.Sweetdrums: ich bin mir sicher schlechte Publicity wird der iranischen Regierung ziemlich egal sein) den man akzeptieren kann. Eine antisemitische Haltung natürlich nicht. Schlecht ist es sicher dieses Thema durch eine vorgetäuschte Wadenzerrung schon vor so einem Spiel unter den Tisch zu kehren. Sport ist von Politik genauso wenig zu trennen, wie von anderen gesellschaftlichen Teilbereichen. Diese Realität kann ich jedenfalls schlecht verdrängen, allerdings bietet der Sport auch beste Möglichkeiten "völkerverbindend" zu sein. Jetzt ist jedenfalls der DFB gefordert. Ich befürchte allerdings diese unangenehme Sache wird wirklich irgendwie unter den Tisch gekehrt.
Marius (Gast) - 9. Okt, 13:08
An Dejagahs Stelle will wohl keiner sein. Wie Dülp schon sagte, dass er sich so entscheidet, um im Zweifel seiner Familie im Iran nicht das Leben schwer zu machen ist für mich verständlich. Frau Knobloch sollte davon abgehen aus jeder Sache ein politisches Statement abzuleiten. Dejagah hat sich halt opportunistisch verhalten, was ich in diesem Fall nicht negativ meine, da er sich schlicht um seine Familie Gedanken gemacht hat (oder diese ihn darauf hingewiesen hat).
Sport ist eine gute Sache und in erster Linie unpolitisch. Durch die Aktion von Dejagah hat die Sache leider Brisanz bekommen, die der DFB vielleicht mit etwas Geschick hätte verhindern können. Nur die unglückliche Darstellung hat schließlich Frau Knobloch ermöglicht, Dejagah an den Pranger zu stellen, der vielleicht nur ans Fussballspielen denkt und kein Interesse an Politik hat.
Sport ist eine gute Sache und in erster Linie unpolitisch. Durch die Aktion von Dejagah hat die Sache leider Brisanz bekommen, die der DFB vielleicht mit etwas Geschick hätte verhindern können. Nur die unglückliche Darstellung hat schließlich Frau Knobloch ermöglicht, Dejagah an den Pranger zu stellen, der vielleicht nur ans Fussballspielen denkt und kein Interesse an Politik hat.
steckschuss - 9. Okt, 13:35
Dülp, aller Voraussicht nach werde ich auch nie in so einer Zwickmühle stecken wie Dejagah jetzt. Ich will auch gar nicht werten, ob sein Entschluss nun richtig gut oder richtig schlecht war oder einfach nur richtig schlecht bedacht. Aber auch wenn er wegen dummer Umstände in diese Lage geraten ist – er darf NIEMALS seinen Status als deutscher Nationalspieler für ein politisches Statement benutzen. Deshalb wäre die vorgeschobene Muskelzerrung, wie du ja auch schreibst, die beste Idee gewesen. (Zumal: Wie viele Verletzungen im laufe der Bundesligageschichte nur vorgeschoben waren, will ich lieber gar nicht wissen.)
Dejagah hat sich aber anders entschieden – deshalb muss er aus dem Kader fliegen, für immer.
Überleg mal: Botschaften mit christlichem Hintergrund auf dem T-Shirt sind neuerdings streng verboten – da muss das doch wohl erst recht für politische gelten. Wenn Lucio sein „Jesus loves you“ zeigte, hatte er ja wahrscheinlich auch nur die besten Absichten.
Die Rolle des Zentralrates der Juden ist in diesem Fall ganz besonders ärgerlich. Man muss nicht noch mehr Öl ins Feuer schütten, um der eigenen Sache zu dienen. Schon gar nicht, wenn es um einen 21-Jährigen geht, der wahrscheinlich wirklich nur Fußball spielen will.
Dejagah hat sich aber anders entschieden – deshalb muss er aus dem Kader fliegen, für immer.
Überleg mal: Botschaften mit christlichem Hintergrund auf dem T-Shirt sind neuerdings streng verboten – da muss das doch wohl erst recht für politische gelten. Wenn Lucio sein „Jesus loves you“ zeigte, hatte er ja wahrscheinlich auch nur die besten Absichten.
Die Rolle des Zentralrates der Juden ist in diesem Fall ganz besonders ärgerlich. Man muss nicht noch mehr Öl ins Feuer schütten, um der eigenen Sache zu dienen. Schon gar nicht, wenn es um einen 21-Jährigen geht, der wahrscheinlich wirklich nur Fußball spielen will.
Gregor Keuschnig - 9. Okt, 13:47
Einverstanden,
was das Problematische an politischen Statements betrifft. Aber das sich ein Fussballnationalspieler als politischer Eunuch in der Öffentlichkeit zu betätigen hat, wäre mir - ehrlich gesagt - neu. Ich gebe aber zu, dass ich mich mit diesen Regularien der Verbände nicht so auskenne. Oder darf man nur die politisch-korrekten Statements absondern (dann wäre man nur ein Papagei)?
Dennoch: Er bleibt ja - unabhängig des (sehr unsicheren) Status als Nationalspieler ein politisch denkender Mensch - ob uns im Einzelfall die Meinung gefällt oder nicht. Und er bleibt - sozusagen "zusätzlich" - ein Privatmann. Er zieht es vor, aus den genannten Gründen nicht gegen Israel zu spielen. Das ist m. E. nachvollziehbar, auch wenn ich es für ungeschickt halte, dies in der Öffentlichkeit so darzustellen. Aber: Das er so handelt, wie er handelt und mit dieser Begründung sollte er m. E. nicht aus dem Kader fliegen - vor allem nicht "für immer".
Rausfliegen sollte er nur, wenn er (sinngemäss) sagen würde: Ich spiele grundsätzlich nicht gegen Israel, weil (...man denke sich hier politisches / antisemitisches, usw...).
Dennoch: Er bleibt ja - unabhängig des (sehr unsicheren) Status als Nationalspieler ein politisch denkender Mensch - ob uns im Einzelfall die Meinung gefällt oder nicht. Und er bleibt - sozusagen "zusätzlich" - ein Privatmann. Er zieht es vor, aus den genannten Gründen nicht gegen Israel zu spielen. Das ist m. E. nachvollziehbar, auch wenn ich es für ungeschickt halte, dies in der Öffentlichkeit so darzustellen. Aber: Das er so handelt, wie er handelt und mit dieser Begründung sollte er m. E. nicht aus dem Kader fliegen - vor allem nicht "für immer".
Rausfliegen sollte er nur, wenn er (sinngemäss) sagen würde: Ich spiele grundsätzlich nicht gegen Israel, weil (...man denke sich hier politisches / antisemitisches, usw...).
Dülp - 9. Okt, 23:02
Dejagah kann sich gar nicht unpolitisch verhalten. Läuft er gegen Israel auf, macht er sich im Iran unbeliebt. Verzichtet er auf das Spiel, geht in Deutschland eine Riesen-Welle rund. Ich bin da mit Gregor einer Meinung. Er hat keine eigene politische Äußerung getätigt, deswegen sollte man ihn in Ruhe lassen. Davon abgesehen war die Aktion vorher (!) mit Trainer und DFB-Vorstand abgesprochen. Ein Ausschluss vom Nationalteam darf also gar nicht infrage kommen, denn das hätte man dem Jungen vorher in Aussicht stellen müssen.
hilti (Gast) - 10. Okt, 01:09
Die Fifa
sollte vor allen anderen mal was tun. Der DFB kann ja nur ein "Zeichen" setzen, was aber auch nicht mehr bewirkt als eine Lichterkette.
Nick Sweetdrums - 10. Okt, 01:52
@ Dülp und DonZ: Ich kann mich sicherlich nicht richtig in Ashkan Dejagahs Lage hineinversetzen (auch wenn das mit dem "westfälischen Hintergrund" bei mir nicht ganz hinkommt ;-) ), aber ich denke, dass er objektiv gesehen als deutscher Fußball-Nationalspieler, als Sportler, in einer recht komfortablen, geschützten Position ist. Das ist jetzt nur eine Einschätzung, aber ich glaube, dass selbst die iranische Regierung sich aufgrund des negativen Echos scheut, gegen einen deutschen Sportler oder dessen Angehörige vorzugehen.
Und hier sehe ich ein Versäumnis des DFB: Sollte Dejagah wirklich nur Angst um seine Familie gehabt haben (was nicht feststeht), hätte man ihm versichern können, dass von deutscher Seite alles getan wird um eine Gefährdung zu vermeiden - indem man sozusagen den medialen Scheinwerfer auf eine mögliche iranische Reaktion richtet.
Und hier sehe ich ein Versäumnis des DFB: Sollte Dejagah wirklich nur Angst um seine Familie gehabt haben (was nicht feststeht), hätte man ihm versichern können, dass von deutscher Seite alles getan wird um eine Gefährdung zu vermeiden - indem man sozusagen den medialen Scheinwerfer auf eine mögliche iranische Reaktion richtet.
r0ssi - 10. Okt, 09:10
das ist wirklich rührend. die iranische regierung zittert bestimmt schon vor 20er und co und deren sanktionen. halten wir fest: wir reden hier von einem regierungschef, der bestimmt nicht "irre" ist wie so gerne dargestellt, sondern eiskalt berechnend und der sich ohne probleme mit den usa und der so genannten westlichen welt anlegt inkl. holocaustleugnung, antizionismuskonferenz und allem pipapo. was denkst, was dort für mediale scheinwerfer drauf gerichtet waren. das juckt die doch in teheran nicht. die möglichkeiten des dfb halte ich in diesem fall doch für einigermaßen begrenzt ausser einem "nanana, so nicht". im übrigens ist achmadinedschad auch kein diktator, wie oft gerne angeführt, wenn der dfb also was ändern will, dann auf der basis von jugendarbeit, austauschprogrammen, was weiß ich.
Nick (Gast) - 10. Okt, 23:56
Gerade WEIL Ahmadinedschad eiskalt berechnend ist, glaube ich nicht, dass er sich beim Thema Fußball auch noch mit allen anlegen will. Fußball ist auch im Iran Volkssport, also extrem populär, und Ashkan Dejagah scheint dort auch sehr beliebt zu sein.
Ein willkürliches Vorgehen gegen einen beliebten Fußballer würde m.E. auch in der arabischen Welt überwiegend kein positives Echo finden.
Zudem glaube ich nicht, dass die iranische Regierung zur Zeit ausgerechnet die deutsche verärgern will, die sich als eine der letzten gegen Wirtschaftssanktionen gegen den Iran sträubt. Hierzulande ist der Fall ja schon zum Politikum geworden.
Ein willkürliches Vorgehen gegen einen beliebten Fußballer würde m.E. auch in der arabischen Welt überwiegend kein positives Echo finden.
Zudem glaube ich nicht, dass die iranische Regierung zur Zeit ausgerechnet die deutsche verärgern will, die sich als eine der letzten gegen Wirtschaftssanktionen gegen den Iran sträubt. Hierzulande ist der Fall ja schon zum Politikum geworden.
Jürgen Kalwa (Gast) - 16. Okt, 05:04
Ich wollte ursprünglich in meinem Blog etwas über die Sache schreiben, besonders im Licht des Besuchs des iranischen Präsidenten neulich in New York, wo er an der Columbia University an einer Diskussion mit Studenten und Professoren teilnahm und die ganze aalglatte Verlogenheit seines theokratischen Riesengefängnisses heraushängen ließ.
Dann wurde mir klar, dass ich zwar gerne eine verbindliche Einstellung zu dem Thema hätte, aber keinen klaren Weg sehe. Also habe ich meine Bemühungen eingestellt und die Fragmente gar nicht erst publiziert. Im Laufe der Tage ist mir allerdings aufgefallen, dass wir durchaus von einem Spieler wie Dejagah eine Konsequenz verlangen können, die über windelweiche Ausreden ("verletzt") und Andeutungen von angeblich privaten Gründen/mutmaßlichen Problemen für ihn und seine Verwandten hinausgehen. Nämlich die Konsequenz, die nur jemand aufbringen kann, der zwei Pässe hat und damit auch Alternativen: Er kann seine Sympathien für das iranische Regime frei ausleben und grundsätzlich auf eine Mitwirkung in den Länderspielen seiner zweiten Heimat verzichten. Dann kommt er nicht in eine solche Zwickmühle. Wenn er keine Sympathien für den Iran hegt, kann er das genauso artikulieren. Dann muss er akzeptieren, dass die Diktatoren von Teheran sich so verhalten, wie befürchtet. Alles andere ist Feigheit, Opportunismus und braucht nicht unser Verständnis. Ich fand die Reaktion von Frau Knobloch auch überzogen, aber die Diskussion, die sie anstieß, gar nicht zugespitzt genug.
Dann wurde mir klar, dass ich zwar gerne eine verbindliche Einstellung zu dem Thema hätte, aber keinen klaren Weg sehe. Also habe ich meine Bemühungen eingestellt und die Fragmente gar nicht erst publiziert. Im Laufe der Tage ist mir allerdings aufgefallen, dass wir durchaus von einem Spieler wie Dejagah eine Konsequenz verlangen können, die über windelweiche Ausreden ("verletzt") und Andeutungen von angeblich privaten Gründen/mutmaßlichen Problemen für ihn und seine Verwandten hinausgehen. Nämlich die Konsequenz, die nur jemand aufbringen kann, der zwei Pässe hat und damit auch Alternativen: Er kann seine Sympathien für das iranische Regime frei ausleben und grundsätzlich auf eine Mitwirkung in den Länderspielen seiner zweiten Heimat verzichten. Dann kommt er nicht in eine solche Zwickmühle. Wenn er keine Sympathien für den Iran hegt, kann er das genauso artikulieren. Dann muss er akzeptieren, dass die Diktatoren von Teheran sich so verhalten, wie befürchtet. Alles andere ist Feigheit, Opportunismus und braucht nicht unser Verständnis. Ich fand die Reaktion von Frau Knobloch auch überzogen, aber die Diskussion, die sie anstieß, gar nicht zugespitzt genug.
Marius (Gast) - 16. Okt, 16:41
Sorry, aber Dejagah muss ganz und gar nichts akzeptieren. Zivilcourage gut und schön, aber ich würde an seiner Stelle den Teufel tun und meiner Familie in Teheran das Leben schwer machen. Wie schon zuvor auf dieser Seite oft genug geschrieben, hätten er und der DFB es schlauer anstellen können (Ich hoffe im übrigen, dass der Schutz der Familie der einzige Beweggrund für Dejagah ist). Hier von Feigheit zu sprechen, ist gefährlich. Es ist nicht jeder zum Märtyrer geboren.
Jürgen Kalwa (Gast) - 16. Okt, 19:36
Natürlich muss Dejagah Dinge akzeptieren, die ihm vielleicht nicht passen. Zum Beispiel die Geschichte Deutschlands und die Verfassung, die 1948 auf diesem Trümmerhaufen entstanden ist. Und das politische Klima, das sich aus solchen Tatsachen heraus entwickelt hat. Viel schöner allerdings wäre, wenn er als ziemlich junger Mensch auch noch etwas daraus lernen würde. Er kann jeder Zeit die eine oder andere KZ-Gedenkstätte besuchen, um den Menschen in seinem Herkunftsland zu berichten, was er dort herausgefunden hat. Weit muss er dafür nicht fahren.
Dülp - 16. Okt, 22:27
Zu einem Ergebnis werden wir in dieser Diskussion sicher nicht mehr kommen. Für jede Meinung gibt es sicher gute Argumente. Ich bin gespannt, was am 9.9. 2008 passiert. Dann spielt Deutschland nämlich zum zweiten Mal gegen Israel in der Quali. Dann weiß der DFB, dann weiß Dejagah, wo der Hammer hängt. Dann hatten alle Seiten lange Zeit, sich das ganze durch den Kopf gehen zu lassen.

Trackback URL:
http://bolzplatz.twoday.net/stories/4332406/modTrackback