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Donnerstag, 6. September 2007

Carl-Zeiss goes Russland

Der Jenaer Vorstand hatte schon vor Wochen anklingen lassen, dass ein ganz großer Deal in Aussicht steht. Und sie haben nicht übertrieben. 20 Millionen für fünf Jahre ist für die zweite Liga heftig. Mich freut es, dass es nicht einen der üblichen Verdächtigen (sprich Etablierten) a lá Köln oder Freiburg getroffen hat, sondern einen ostdeutschen Verein, der außer Tradition nicht viel zu bieten hat.

Bei Jena scheint im Moment alles zu passen. Der extrem unwahrscheinliche Klassenerhalt, der Simak-Deal und jetzt den Sponsor, der den Verein in höhere Sphären katapultiert.

Nun muss Carl-Zeiss nur noch aufpassen, eine anständige Vorrunde zu spielen. Das Transfer-Fenster ist erstmal geschlossen, aber zur Rückrunde kann einige Verstärkung verpflichtet werden. Und wird die Kohle dann sinnvoll investiert, kann es mittelfristig Richtung Aufstiegsplätze gehen.

Allerdings darf man einen Betrag von vier Millionen pro Saison auch nicht überschätzen, wenn man die momentane Konkurrenz betrachtet. Da sind vier bis fünf Mannschaften um einiges mehr als diese Summe voraus.

Trackback URL:
http://bolzplatz.twoday.net/stories/4233659/modTrackback

DonParrot - 6. Sep, 08:19

Und wer weiß, was das eventuell für schmutziges Geld ist. Wenn ich Schalski-Fan wäre beispielsweise würde ich momentan vermutlich jede Nacht von Albträumen geplagt aufwachen.

klinkinho (Gast) - 6. Sep, 11:59

da kannsse aber

auch das wirtschaftgebaren von deutschen unternehmen heranziehen. die arbeiten doch nicht sauberer. sei es siemens, bayer oder wer auch immer. und den normalofan interessiert datt glaubsch auch überhaupt nicht, wo die kohle herkommt, solange die nutellakevins treffen.
steckschuss - 6. Sep, 13:32

Was wäre wenn...?

Ich hab mich schon oft gefragt, wie ich reagieren würde, wenn auf einmal ein russischer Mega-Konzern um die Ecke kommt, ein paar Dutzend Millionen anschleppt und sich als neuer Herr im Haus vorstellt.

Würde mich das ankotzen? Würde ich deshalb nicht mehr ins Stadion gehen?
Glaube ja: Es würde mich ankotzen. Aber ins Stadion würde ich trotzdem gehen.

Insofern kann ich Jena nur gratulieren. Hab zwar mit denen absolut nix am Hut (im Gegensatz zu anderen Gladbachern), aber ich wünsche ihnen ein glückliches Händchen beim Geldausgeben. Tradition - das ist schließlich auch was wert, wenn's dafür auch leider keine Punkte gibt.

Und sollten wir mal den unerhofften Geldsegen abkriegen: Da könnte man immer noch argumentieren, dass es ausgleichende Gerechtigkeit wäre, denn fette Kohle ist uns in den letzten Jahrzehnten durch eher unglückliche Umstände durch die Lappen gegangen (Olympische Spiele in München etc pp.)
;)

Dülp - 6. Sep, 22:22

Wenn ich mich so umschaue, sehe ich noch keinen Verein, der wirklich schlechte Erfahrungen mit einem solchen Geldsegen gemacht hat. In Deutschland bist du obendrein noch doppelt abgesichert, weil der Verein immer 51% der Anteile halten muss und deswegen niemals ein Oligarch das Sagen haben kann.

Insofern: Ob ich jetzt die Kohle von einem koreanischen Druckerhersteller bekomme, oder von einem russischen Gaslieferanten - ist mir Latte. Hauptsache viel Kohle.

Ich gehöre da auch eher zu er pragmatische Fraktion und moralisiere nicht rum, ob sich Schalke mit Gazprom die Mafia ins Haus holt. Solange der deutsche Staat mit einem solchen Unternehmen Geschäfte machen kann, sollte das ein Verein auch dürfen, ohne ins Zwielicht zu geraten. Solche Fragen müssen auf anderer Ebene geklärt werden.
WoT (Gast) - 6. Sep, 20:50

Irgendwo (Spon, gedruckter KStA?) stand, daß im Gegenzug 49% der Spielbetriebs-GmbH an den Sponsor gehen, weswegen der unterschriftreife Deal erst noch genehmigt von den Vereinsmitgliedern und der DFL werden müsse.

Trotz aller Unklarheit und entsprechender Vorbehalte sieht mir das derzeit eher danach aus, daß jemand eine "halbe" Profiabteilung (inkl. Gewinnbezugsrechten, auch mit Nachschußpflicht?) zuzüglich Sponsorrechten über vier Jahre für die in Raten zu zahlenden 20 Millionen € bekommt.

Wäre das so ein großer Erfolg für Jena?

Gruß

WoT (Gast) - 6. Sep, 20:54

Nachtrag, Quelle

Das ist nicht die Quelle, die ich meinte, bestätigt die geplante Anteilsübernahme aber auch:

http://www.stz-online.de/sport/sport/thueringensportstz/art2476,699113
Dülp - 6. Sep, 22:14

Jo, das hatte ich auch gelesen, bevor ich das Posting schrieb. Ich bewerte es abert nicht negativ. Eher im Gegenteil. Natürlich holt sich Jena so stimmberechtigte Gesellschafter, die sich mit Sicherheit heftig in die Vereinspolitik einmischen werden. Auf der anderen Seite muss der Verein laut Statuten 51% der Anteile behalten. Die Russen können also niemals das Ruder übernehmen.

Im Gegensatz zu einem reinen Sponsor muss die Alpha Group aber Interesse an einer langfristigen Entwicklung haben, denn der Kauf von Anteilen ist eine geschäftliche Investition und keine Werbemaßnahme. Man kann also davon ausgehen, dass nachgelegt wird, sollte es nicht so laufen wie erwünscht. Ein Abstieg in die Regionalliga wird im Businessplan nicht vorgesehen sein.

Für Jena ist der Einstieg eines am Erfolg beteilgten Partners also sowas wie eine Lebensversicherung.
WoT (Gast) - 6. Sep, 23:01

Klarstellend nochmal zwei Aspekte:

1. Wenn die Informationen stimmen und ich sie richtig deute, heißt das 20 Millionen Euro für vier Jahre Brust und (!) 49% Anteile.

Natürlich sind 49% eben keine Mehrheit, was sonst auch zum DFL-Lizenzverlust führen würde, es ist aber doch ein Teil des Vermögens, der weg (woanders) ist. "Weg" sind auch die (Haupt-)Sponsorenrechte für vier Jahre. Und dafür ist der ohnehin nur in Raten fällige Preis nicht sonderlich prall, meine ich.

2. Die langfristige Bindung hat Vor- und Nachteile. Das meinte ich mit den Gewinnbezugsrechten und den Nachschußpflichten, die jedoch in den Presseberichten jeweils weitgehend unklar geblieben sind (wie auch die Frage, ob die 20 Millionen € ganz oder teilweise Einlage sind). Gewinnbezugsrechte sind der Regelfall, wobei jedoch der Minderheitsgesellschafter nur bedingten Einfluß darauf hat, in welcher Höhe Gewinne ausgeschüttet werden. Nachschußpflichten sind seltener (und müßten wohl im entsprechenden Verhältnis vom Mehrheitsgesellschafter=Verein geleistet werden).

Was also, wenn die 20 Millionen nicht zum Durchstarten reichen? Sowas soll es schonmal gegeben haben. Dann wären die Hauptsponsorrechte für vier Jahre und die Anteile auf Dauer "weg".

"Lebensversicherung" oder doch "Damoklesschwert"? Ich bin noch skeptisch. Es sieht stark nach "Hopp oder Top" aus, weit stärker als bei der TSG.

Gruß

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