Donnerstag, 14. Dezember 2006

Eine Suspendierung und die beiden Geschichten dahinter

Zwei der bisher traurigsten Saisonkapitel sind zweifellos das nachhaltige Versagen Jupp Heynckes' in Gladbach und die wiederholten Entgleisungen der Boulevardmedien, quittiert von entsprechenden Reaktion der Fans und Spieler.

In den letzten Tagen steuerten diese beiden Handlungsstränge unaufhaltsam aufeinander zu und kulminierten in einer Charade, in dessen Mittelpunkt der arme Marvin Compper steht. Was ist passiert?

Das Fanprojekt Gladbach hatte es geschafft, über lange Zeit (seit Mitte der 90er) ein Treffen von Fans und Spielern aufrechtzuhalten, bei denen die Medienvertreter ausgeschlossen waren. Unter den anwesenden Supportern gab es das ungeschriebene Gesetz, dass von den Gesprächen nichts nach außen dringt. Selbst die Pressevertreter respektierten diese kleine Oase der Fußballkultur. Naja, fast alle Pressevertreter. Denn dem Express fiel irgendwann ein, dass es bestimmt eine verdammt gute Idee sei, Spitzel auf diese Veranstaltungen einzuschleusen.

In dieser Woche saßen die beiden Jungspunde Tobias Levels und Marvin Compper mit den Fans zusammen. Und in diesem diskreten Kreis ließen die beiden ein paar Sprüche raus, die sie gegenüber einem Reporter sicher niemals formuliert hätten. Der Mann von der Express hatte also reichlich Material, um die beiden in die Pfanne zu hauen.

Das Fanprojekt war nicht nur reichlich angepisst. Da es sich um eine wiederholte Aktion des Express handelte, hat das Blatt der Veranstaltung die Grundlage entzogen - nach dieser Saison ist mit dem Fantreffen Schluss. "Eine jahrelange, vertrauensvolle Zusammenarbeit ist durch eine einzige und auch nicht mal wirklich spektakuläre Überschrift zerstört worden", resümieren die Veranstalter auf ihrer Website.

Die wirkliche Schande ist aber, dass sich Jupp Heynckes von so einer Postille in seinen Entscheidungen beeinflussen lässt. Denn der arme Compper, der wahrscheinlich gar nicht weiß, wie ihm geschieht, wurde vom Trainer medienwirksam suspendiert. Statt ihn mit einer internen Strafe und ein paar mahnenden Worten aus der Schusslinie zu nehmen, stellt er den Jungen nochmal öffentlich an den Pranger. Soviel einmal mehr zum Thema psychologisches Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl. Dass Compper mit seiner Aussage auch noch Recht hatte, tut zwar nichts zur Sache, macht die Geschichte aber erst richtig rund.

Trackback URL:
http://bolzplatz.twoday.net/stories/3067283/modTrackback

kurtspaeter - 14. Dez, 22:38

Zunächst

muss man ja mal anmerken, das die Aussage an sich nicht mal schädigend für eine der beiden Seiten ist. Sondern lediglich eine Feststellung die im Rahmen des machbaren liegt. Meine Meinung.

Das die Geschichte ursprünglich bei einem Fantreffen unter Ausschluß der Medien gesagt wurde, erschloss sich mir bislang nicht, haben doch sämtliche, von mir bislang gelesenen Medien nur die Suspendierung und ab und an den Express erwähnt.
Nach Schalke und dem HSV (Schweinis Wetten war letzte Saison, aber nicht minder schädigend bescheuert) nun also diese Geschichte. Ich frage mich, wie lange sich die "seriösen" (wo sind die eigentlich?) Medien dieses Gekasper noch anschauen werden, anstatt selber aggressiv dagegen vorzugehen und den Fan, der die Art der Artikel die Du oder andere verfassen nicht mitbekommt, zu informieren, wo der Hase mitunter langläuft. Ich kann mir vorstellen, das der Schalker Boykott in seiner Form nur ein Pilotprojekt gewesen ist und wir damit noch häufiger rechnen dürfen.

Das Jupp Heynckes auf die sichtbare Art reagiert wundert mich nicht weiter. You remember Frankfurt? Heynckes ist nie clever gewesen, Exempel statuieren wenns nicht läuft, hier pickt er sich mal ein Talent raus, statt einem gestandenen Spieler. So isser halt. Viel erstaunter bin ich dann ob der Tatsache, das Pander das mitmacht.

Dülp - 15. Dez, 18:12

Ich vermute, bei vielen Pressevertretern herrschte eine leicht verquere Auffassung von Pressefreiheit. So nach dem Motto: Journalisten düfen alles verzapfen was wir wollen, aber Konsequenzen haben darf das nicht. Sogar wenn sie selbst das nicht ausnutzen, gestehen sie ihren Kollegen das zu. Dabei scheint diese Art der Pressefreiheit mehr zu wiegen als Respekt oder Würde.

Langsam sollten alle Schreiberlinge kapieren, dass Bild und Express nicht nur dem Berufsstand sondern der Arbeit jedes Einzelnen schaden.
Alf (anonym) - 15. Dez, 08:43

Leider wird die diesjährige Trauergeschichte der Borussia kontinuierlich Kapitel um Kapitel ergänzt. Wir Kurt es schon geschrieben hat, ein typisches Verhaltensmuster vom Jupp. Noch ist es an der Zeit die Fehlentscheidung Heynckes zu korrigieren. Sonst sehe ich ob der gezeigten Leistung und der katastrophalen Verfassung der Mannschaft rabenschwarz.
Der Neue sollte aber mal endlich keinen Stallgeruch vorweisen. Also bitte keine Ex-Spieler oder Ex-Trainer, denen die Borussia anscheinend so unglaublich am Herezen liegt.....

Suedtribuene - 15. Dez, 12:01

Ich hab ja immer noch meine Trackback-Funktion deaktiviert. Für den Beitrag hätte ich sie aber fast wieder eingeschaltet. Fühl Dich dennoch gelinkt.

sternburg (anonym) - 15. Dez, 15:13

Intelligenter als die Schalke- oder HSV- Aktion ist aber allemal, daß hier nur de Express vom Boykott betroffen ist, und nicht die sog. seriösen Medien.
Obwohl ich mir nicht vorstellen kann, daß man das dem Express besonders anmerken wird..

criens (anonym) - 15. Dez, 15:22

indirekt sind die "sog. seriösen" Medien natürlich auch betroffen, solange der Express irgendwo in der Nähe rumsteht. Was dann passieren wird? Siehe die völlig aus der Luft gegriffene Mutmaßung hier:http://www.fohlenkommando.de/
kurtspaeter - 15. Dez, 15:38

Ob es

tatsächlich intelligenter ist, wie von Sternburg vermutet, das nur der Express vom Boykott bedroht ist, ich weiß nicht...
Beim Fantreffen war ja auch keiner vom Express anwesend wenn Du verstehst was ich meine.
Dülp - 15. Dez, 18:06

Keine Ahnung, was da der richtige Weg ist. Selbst wenn der Express jetzt immer noch irgendwie seine Informationen bekommt, ist es immerhin ein deutliches Zeichen. Andererseits wird dieser Boykott in der Öffentlichkeit nicht sehr lange präsent sein. Das wäre bei einer Kollektivstrafe anders, da wäre die öffentliche Wahrnehmung eine andere und der Express würde deutlic h mehr Feuer bekommen.
kurtspaeter - 15. Dez, 20:19

Sorry

Dülp, aber der letzte Satz hat mich schmunzeln lassen. Hat Benno Weber Feuer bekommen? Peter Wenzel?

Auch wenn hier bei Gladbach die Geschichte eindeutiger an einem Ereignis festgemacht werden kann, so hat man beim Schalker Presseboykott bis zuletzt nur vereinzelt Bild-Schelte vernommen. Wenn, dann kamen sie aus unserer Richtung, von den Sportjournalisten wurde gegen Ende des Boykotts nur ein öffentlicher Beschwerdebrief an den Verein entsandt. Da ist von Selbstreflektion und darauffolgender Selbstreinigung wenig zu spüren. Daher bin ich gespannt, ob der Express negative Auswirkungen spürt. Ich glaubs nicht, will mich aber gerne eines besseren belehren lassen.
Matthias (anonym) - 17. Dez, 02:46

Eintracht Frankfurt

erinnert schmerzlichst an Heynckes' Eskapaden in Frankfurt, so isser halt der Jupp. Ich freu mich über jede seiner Niederlagen, hoffentlich ist für ihn bald wieder Schluss.

Die Fälle Gaudino, Yeboah und Okocha tun heut noch weh!

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