Samstag, 5. November 2005

Boah, was ein Spiel!

Wahnsinn! Was ich heute in den ersten 45 Minuten gesehen habe, war wohl das hochklassigste Bundesligaspiel der letzten Jahre - in der Offensive. Was die Defensive angeht, muss sich allerdings vor allem Bremen die eine oder andere Frage gefallen lassen. Wer nach dem 1:0 nach 50 Sekunden derart nach dem Ausgleich bettelt, macht irgendwas falsch.

Die Abwehrschwäche zieht sich bei Bremen seit langer Zeit durch und ist der Grund, warum die Mannschaft international nur Durchschnitt repräsentiert. Auf nationaler Ebene haben sie heute die Konsequenz erleben dürfen. Gegen schwächere Mannschaften ist Werder in der Lage, mehr Tore zu schießen, als sie kassieren. Auf hohem Niveau reicht das nicht.

Zwei bis drei Gegentore bekommen immer noch, aber der Sturm wird von Bayern, Lyon oder anderen hochklassigen Mannschaften einfach zugestellt. Woran kann das liegen?

In Sportschau und Co wird zunächst die Werder-Abwehr in Frage gestellt. Naldo insbesondere. Aber das kann nicht die Wahrheit sein. Im modernen Fußball liegt es vor allem am Mittelfeld, dass Chancen verhindert werden. Das kann Bremen offensichtlich nicht.

Einer der Hauptunterschiede zwischen Bremen und Bayern ist die Interpretation des offensiven Mittelfelds. Während Ballack ständig in die Defensive arbeitet und der erste ist, der einen drohenden Angriff abgrätscht, sonnt sich Micoud in der Spielmacherposition. So hat Bayern praktisch zwei defensive Mittelfeldspieler in der Rückwärtsbewegung, Bremen hingegen nur einen.

Nicht umsonst ist Ballack einer der umworbensten Spieler Europas. Eine Spitzenmannschaft braucht Spieler, die ihre Rolle modern interpretieren. Das fehlt Bremen, aber es reicht um in der Bundesliga den zweiten Platz zu etablieren. Das ist ein mäßiges Kompliment für Werder, aber ein noch mäßigeres Kompliment für die Bundesliga.

Der Mann im offensiven Mittelfeld ist einfach kein Spielmacher mehr. Wenn man einen hat, der beides spielen kann, ich sage nur Lampard, dann kann man in der Championsleauge Anprüche stellen. Was sonst passiert, hat man heute gesehen.

Wenn Bremen nämlich gegen eine Mannschaft spielt, die sich geschickt im Mittelfeld verschiebt, die kaum Räume lässt, ohne Mann zu decken, dann ist der Zahn gezogen.

Ich hoffe, dass die Offensivkraft reicht, um den Bayern bis zum Schluss Paroli zu bieten, aber ich glaube es nicht. Bayern hat heute internationale Klasse bewiesen, Bremen nationale. Es war ein deutlicher Unterschied.

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MythosBayern - 6. Nov, 14:59

Danke,

mehr gibt es zu gestern kaum noch zu sagen, ausser vielleicht, dass Owomu.... na Bremens rechter Verteidiger halt auch ziemlich schlecht aussah, aber uns soll es recht sein, vor allem weil Makaay jetzt endlich wieder getroffen hat und so vielleicht an "alte Zeiten" aus dem August anknüpfen kann!
;-)

Suedtribuene - 6. Nov, 17:11

Fremde Blogs mit Eigenlob zutexten

Und wer hat den Unterschied zwischen Bremen und Bayern schon am Donnerstag analysiert? Na, ned die Schwyzer! Ein Kölner war's.

Recht hast Du natürlich trotzdem. Schönen Urlaub!

Suedtribuene - 7. Nov, 13:39

Ergänzend noch mal ein Dank für den Hinweis, dass das Spiel im Mittelfeld entschieden wird.

Wie oft habe ich in den vergangenen Wochen in Spielberichten Abwehrkritik hören müssen, nachdem der Ball im Aufbauspiel des Mittelfelds verloren wurde.

Beruhigend, dass solche Sachen auch anderen Leuten auffallen.

Bei dem Vergleich zwischen Ballack und Micoud muss ich übrigens unwillkürlich an den zwischen Overath und Netzer denken, auch wenn Dir das vermutlich nicht so passt.
Auch Overath war im Spiel bissiger und der erste, der den Gegner bei Ballverlust attackiert hat (und deshalb bei der WM 74 erste Wahl im Mittelfeld vor Netzer).

Ein letztes noch: Schöne Spielanalyse. Mehr davon!

Klinkinho - 8. Nov, 08:37

Hast ja recht,

was Overath und Netzer angeht. Nichtsdestotrotz war Netzer der für die schönen Momente. Besseren und überlegeneren Fussball als bei der EM 72 hat Deutschland nie mehr gespielt. Und das muss man zum grössten Teil Netzer und Beckenbauer und Ihrem Wechselspiel zuschreiben. Was den Grell angeht, den hatte Netzer nicht. Glücklicherweise (für ihn) brauchte man ihn damals noch nicht, um eine grosse int. Karriere zu machen.
Suedtribuene - 8. Nov, 11:45

Ohne jetzt auf den ollen Kammellen rumreiten zu wollen

aber das war immer das Problem von Netzer: Er war einer für Momente. Nicht mehr.

Wenn Netzer eine Frau wäre, würde ich sagen: wunderschön, toller Sex, aber weder alltags- noch beziehungstauglich. Man geht gerne mit ihr aus, möchte aber um Himmels Willen nicht mit ihr zusammen sein.

Was die Geschichte dann aber wieder relativiert und hübsch verdreht macht, ist die Tatsache, dass Overath mit dem 1.FC Köln trotz seiner engagierten Spielweise weniger erreicht hat, als mit der Mannschaft damals möglich gewesen wäre .
wurstwolf - 9. Nov, 02:42

Mit Micoud gebe ich dir völlig recht. Unzählige Male habe ich mich über den Mann geärgert, wenn er einem in der Offensivbewegung verlorenen Ball desinteressiert hinterherschaut, statt den Gegner direkt wieder am Konter zu hindern. Seine zweifelohne vorhandenen, genialen Momente in allen Ehren, aber es ist schlimm, dass sich Frust und Freude über le Chef die Waage halten.

Ich hoffe, dass mittelfristig ein Borowski oder ein Jensen in diese Rolle hineinwachsen können.

Grün-weiß-rautige Grüße
Tammo

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