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Freitag, 29. September 2006

Perfektes Timing

Hab ich erwähnt, dass ich nächste Woche heirate? Nein? Dann wisst ihr es jetzt. Allerdings barg der Termin einiges Konfliktpotential. Denn schon vor geraumer Zeit wurde Samstag der 7. Oktober für die Trauung reserviert.

Meine Frau, das muss ich zugeben, ist sehr tolerant und nimmt auf sämtliche meiner Fußball-Sonderlichkeiten Rücksicht. Als ich jedoch (es war ca. vor einem halben Jahr) unbedarft die Frage in den Raum warf, wo wir denn an diesem Tag die Bundesliga-Übertragung anschauen könnten, klappte auch bei ihr die Kinnlade runter.

Dabei hatte ich wirklich gute Argumente am Start: Mindestens 50% der Gäste würden ab 15.30 Uhr hibbelig am Tisch sitzen und spätestens ab 16.45 Uhr vor dem Videotext hängen, wenn wir nicht eine Lösung für dieses Problem finden würden.

Wir teilen nun seit sechs Jahren ein Leben, aber ich hatte das Gefühl, das sie es nicht nachvollziehen konnte, dass eines meiner ersten organisatorischen Probleme für die Hochzeit sein könnte, ein Gladbach-Spiel zu verpassen.

Aber so ist es nun mal: Die Deko ist mir nicht wirklich wichtig, welche Schuhe ich anhaben werde, beschäftigt mich nun wirklich nicht. Aber drei dicke fette Punkte würden dem Tag die Krone aufsetzen. Ich finde es schon recht großzügig von mir, den Antrag nicht vor der Nordkurve gemacht zu haben und nicht in der Stadionkapelle (gibt es die?) heiraten zu wollen.

Die DFL hatte ein einsehen und gab meiner persönlichen Bitte nach: Am 7.Oktober macht die Bundesliga Pause. "Okay, dann spielt halt die Nationalmannschaft gegen Georgien", ließ mir Theo Zwanziger ausrichten.

Somit ist meine Ehe erstmal gerettet und eine Woche später wird Wolfsburg richtig weggekloppt.

(Mit vielen Grüßen an Tillman)

Die Provinz rüstet auf

Den etablierten Vereinen in der zweiten Liga wird mächtig Feuer unter dem Hintern gemacht. Aus den Untiefen der Regionalliga stoßen und stießen Vereine nach oben, die dort bleiben wollen. Koste es, was es wolle könnte man sagen. Oder: Koste es ein dickes, geiles, neues Stadion.

Hatte Freiburg sein Dreisam-Stadion Ende des Jahrtausends mühsam ausgebaut, in dem Glauben damit in der ersten Liga konkurrenzfähig sein zu können, gehen nun Emporkömmlinge auf die Überholspur und planen, in der Hoffnung, es könnte eine Erfolgsgarantie sein, modernste Arenen in die Provinz. Einige bleiben bescheiden, andere drehen direkt am ganz großen Rad. Für die Breisgauer wird vielleicht bald die Erkenntnis folgen, dass ihr Rund gerade noch Zweitligaansprüchen genügen kann.

Auffällig bei allen Beispiel sind die typisch provinziellen Probleme, die aktive Verhinderung des Baus durch Anwohner, Gemeinderäte, Interessenverbände.

In Paderborn plagt man sich schon lange mit der Realisation eines Schmuckkästchens (wohlgemerkt nicht Kasten), das rund 17.000 Anhängern Platz bieten soll. Dem eigentlichen 9-Millionen-Euro-Schnäppchen machen Anlieger und Landwirte seit Jahren die Hölle heiß, die voraussichtlichen Kosten sind mittlerweile um 15 Millionen Euro gestiegen.

Eine ähnliche Größenordnung wird in Siegen angestrebt. Wie bei jeder dieser glänzenden Pläne schweben den Verantwortlichen "Rockkonzerte, Opern" und noch einiges mehr vor, das neben dem Sport seine Heimat in der "Siegen Arena" finden soll. Doch bereits jetzt ist schon abzusehen, dass sich die Investoren bald angepisst zurückziehen werden.

Eine unendliche Geschichte ist bereits der Neubau in und um Hoffenheim. In der Kurpfalz werden immerhin die ernstzunehmendsten Ambitionen gehegt, schließlich steht SAP-Trillionär Dietmar Hopp mit seinem Namen und seiner Sturheit hinter dem Projekt. Nun schaut es so aus, als wäre er in dem namhaften Sinsheim fündig geworden, nachdem Heidelberg vorgezogen hat, der Capri-Sonne-Fabrik das vorgesehene Baugelände zu geben. Damit hat die Stadt allerdings auch nationale Berühmtheit verschenkt, denn "Heidelberg" werde im Namen des künftigen Bundesligisten nicht vorkommen, grollte Hopp.

Damit nähern wir uns dem gewagtesten aller Projekte. Dem durchschnittlichen Szenebeobachter wird leicht schwindelig, wenn der FC Augsburg ankündigt, einen 45.000-Mann-Klotz an den Lech zu setzen. Die 1.500 geplanten VIP-Plätze entsprechen etwa der Gesamt-Durchschnittszuschauerzahl der letzten fünf Jahre. Nunja, mit einem Andreas Rettig als Manager kann ja fast nichts schief gehen.

Angesichts dieser, nennen wir sie mal Visionen, kann einigen Clubs schwummrig werden, die sich bisher immerhin als "Fahrstuhlvereine" etabliert hatten. Mit so dickem Holz wie in Augsburg oder Hoffenheim spielt man nicht gegen den Abstieg. Und jetzt ist der Zeitpunkt, solche Maßnahmen anzugehen. In wenigen Jahren wird es nur noch zwei feste Absteiger in der zweiten Liga geben und eine deutlich höhere Planungssicherheit herrschen. Wer sich dann festsetzt, sitzt erstmal fest. Bielefeld, Bochum, Mainz: Ihr werdet es nicht leichter haben.

Meldungen, wie Stiche ins Herz

Ich fühle Schmerzen, ganz tief in mir drin:

"Für die beiden nächsten Länderspiele gegen Georgien und in der Slowakei hat Bundestrainer Joachim Löw drei Neulinge nominiert. Besonders überraschend ist, dass der Aachener Stürmer Jan Schlaudraff erstmals im DFB-Kader steht. Schlaudraff, der Borussia Mönchengladbach nicht gut genug war und deshalb zur Alemannia abgegeben wurde, überzeugte zuletzt auch in der Bundesliga mit guten Leistungen."

Via SpOn

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