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Samstag, 8. Juli 2006

Die unglaublich goldene Ananas

Hat da jemand gesagt, es gehe um die goldene Ananas? Er hatte Recht. Aber noch nie ist die goldene Ananas so gefeiert worden wie heute.

Deutschland lief mit der zweiten Garnitur auf und ich war mir sicher, dass höchstens einer der fünf angeblich Verletzten tatsächlich unpässlich war. Aber als ich Klinsmanns Reaktion nach dem 1:0, 2:0 und 3:0 gesehen habe, wusste ich, dass er keine Sekunde an ein Freundschaftsspiel gedacht hat.

Auf der anderen Seite stand keine Deppen-Elf auf dem Platz. Deco war dabei, Ronaldo, Maniche. Das Ergebnis ist also durchaus ernstzunehmen ist. War das jetzt eigentlich der Sieg gegen einen Großen oder zählt Portugal nicht?

Lediglich Figo fehlte von Beginn an aufgrund "muskulärer Probleme". Habe ich da tatsächlich Sprechchöre vom deutschen Publikum für ihn gehört, als er reinkam? Das wäre ein würdiger Abgang für einen solchen Spieler gewesen.

Ein großer Abend war es, der sogar Oliver Kahn sowas wie die Tränen in die Augen trieb. Der emotionale Höhepunkt seiner Karriere sei es gewesen. Und dann erklärte er seinen Rücktritt. Wie sagte Jürgen Klopp so richtig: Kahn war schon ein Großer, aber die letzten Wochen haben ihn noch größer gemacht.

Der einzige fade Beigeschmack bleibt das beschissene Interview von Steinbrecher mit Klinsmann. Man muss Klinsi nicht fragen, ob er weitermacht. Er hat schon mindestens 100 Mal erklärt, dass er das in zwei, drei Wochen entscheidet. Aber ihn in zehn Minuten fünfmal damit zu bedrängen, ist mehr als schlecht. Das war mir als Zuschauer schon peinlich.

Wenigstens hatte Ballack soviel Esprit das ganze mit einem: "Die Mannschaft muss in den nächsten Tagen viele Einzelgespräche mit dem Trainer führen", abzukanzeln.

Pulverfass in Hannover?

Die WM lenkt von einigem ab, unter anderem auch von einigem Palaver in Hannover. Zwei Gesellschafter einer 96er-Untergesellschaft sind ausgestiegen, offenbar weil sie persönliche Probleme mit Sonnenkönig Martin Kind hatten.

Kleinere geschäftliche Probleme waren das nicht, vielmehr eskalierte es dahin, dass der 96-Vorsitzende Götz von Fromberg keinen Bock mehr auf den Scheiß hatte und zurücktrat.

Auch wenn Hannover scheinbar gut aufgestellt ist, kann ich mir nicht helfen: In dem Verein steckt das 1860-Virus drin. Da sind zuviele Selbstdarsteller am Werk, da hängt zuviel an Einzelpersonen, da werden zuviele Eitelkeiten gepflegt.

Hoffentlich geht das Fass nicht in nächster Zukunft hoch. Ich bin kein H96-Experte und kann es aus der Distanz nicht wirklich beurteilen, aber es gibt Prozesse die immer nach dem gleichen Muster ablaufen. Und in Hannover sind Anzeichen für eine zu große personelle Abhängigkeit erkennbar. Bleibt für die Niedersachsen zu hoffen, dass Martin Kind noch lange das Zepter schwingen wird.

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