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Mittwoch, 26. April 2006

Die dritte Klasse

Hey, beim DFB gibt es doch nich Leute, die nachdenken. Die Neuausrichtung der dritten Spielklasse ist mal eine richtig gute Idee.

Bisher war es so: In der Regionalliga Nord waren gefühlte 80% der Mannschaften der Nachwuchs der Bundesligisten und 20% waren Traditionsteams mit der Ambition langfristig zweitklassig zu spielen. Im Süden waren es nur 30% Farmteams, 20% Traditionsteams mit der Ambition langfristig zweitklassig zu spielen und 50% Wald- und Wiesenvereine mit einem potenten Bauunternehmer im Rücken.

In der geplanten eingleisigen dritten Liga sollen die Reservemannschaften der Profi-Clubs nicht mehr spielen. Das erhöht die Attraktivität deutlich nicht nur für die eigenen Fans, sondern für alle Fußballinteressierten und für Sponsoren kleinerer Vereine. Auf dieser Ebene sind kleine Klassiker wie zum Beispiel Waldhof Mannheim gegen Rot-Weiß Essen oder Fortuna Düsseldorf gegen FC St. Pauli an der Tagesordnung und keine Perlen einer langen Saison mehr.

Genauso wichtig ist die neue Abstiegsregelung für die zweite Liga. Im Moment ist es wohl eher ein Glücksspiel. Bei drei Auf- und vier Absteigern ist eine langfristige Planung kaum möglich: Fast die Hälfte der Vereine wechselt nach jeder Saison die Liga. Das passt einfach nicht mehr zu den wirtschaftlichen Ansprüchen, die an die Vereine gestellt werden.

Selbstzerfleischung geht weiter

Es ist schon seltsam. In Gladbach könnte man sich in aller Ruhe auf die neue Saison vorbereiten, stattdessen waltet die Selbstzerfleischung.

Die Anhängerschaft ist angesichts der katastrophalen Rückrunde tief gespalten und die kritische Hälfte verliert die Verhältnismäßigkeiten aus den Augen. Als Horst Köppel am Samstag in den ersten Minuten der zweiten Halbzeit den Newcomer Fleßers auswechselte und Strasser brachte, gellte ein Pfeifkonzert durch den Park.

Strasser war tief gekränkt von den Pfiffen und Spieler wie Broich und Keller gaben anschließend zu Protokoll, dass die Mannschaft verunsichert worden sei. Diejeinigen, die sich zu den Unmutsbezeugungen bekannten, erklärten nachher in diversen Foren, die Pfiffe hätten nicht Strasser gegolten, sondern der Auswechslung, Statt der Mannschaft zu zeigen, dass drei Punkte möglich wären, hätte der Trainer angezeigt, dass das 1:1 verwaltet werden sollte. Gerade die Wechselstrategie wird Köppel schon seit Beginn der Saison vorgeworfen.

Der Gedanke, den die Kurve bei Pfiffen hegt, kommt natürlich nicht auf dem Platz an. Dort sind es einfach nur Pfiffe gegen das eigene Team. Und es war ein peinlicher Eindruck, den der neutrale Beobachter gewinnen musste. Nicht zum ersten Mal übrigens. Schon zuvor waren die Fans in dieser Saison unangenehm aufgefallen. Zum Beispiel, als sie den Ex-Manager Christian Hochstätter, als er beim Abschiedsspiel von Uwe Kamps auflief und damit zu einer völlig unpassenden Gelegenheit, mit üblen Schmähungen bedachten.

Als Gladbach-Fan, der selber in der Kurve steht, wann immer es geht, aber der einigen Realismus bewahrt hat, konnte man mehrmals in dieser Saison in Boden versinken. Insbesondere, wenn man immer überzeugt war, dass es in Gladbach trotz allem ein bisschen anders läuft als in anderen Vereinen und dass diese Saison unter dem Strich immer noch als Erfolg zu werten ist. Erstaunlicherweise ist das Fanprojekt zu demselben Schluss gekommen und wendet sich in einer offenen Ansprache an die Anhänger. "Sind wir der 12. Mann oder der erste Gegner?" fragt es und betitelt die überkritische Fraktion als "Arschlöcher".

Ein sattes Statement, das ich genauso unterschreiben kann. Egal wie schlecht es läuft, die eigene Mannschaft auszupfeifen ist mehr als kontraproduktiv. Und die gegnerischen Anhänger dürften wohl aus dem Lachen nicht mehr herauskommen. Sie mussten einfach nur noch einstimmen.

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