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Donnerstag, 22. September 2005

Eine verhinderte Karriere und ihre Ursache

Neulich in der Änderungsschneiderei habe ich, am Vorabend meiner aktiven Laufbahn, erfahren dürfen, warum eine große Karriere versagt geblieben ist. Und das kam so:

Wenn man auf die Dreißig zugeht, kann man sich schonmal ein feines Stöffchen gönnen, dachte ich mir, und erwarb einen Anzug. Das Längere Das Unterfangen stellte sich als nicht so leicht wie geplant heraus, denn aufgrund meines leicht unproportionalen Körperbaus musste ich Sakko und Hose in unterschiedlichen Größen wählen und die Hose zusätzlich kürzen lassen. Ich stand also auf dem Podest der jungen polnischen Nähfrau um die Ecke, während sie fleißig Maß nahm mit Nadeln absteckte. Alles Routine soweit, bis sie am zweiten Bein zu werkeln begann. Ein Ausruf des Erstaunens drang von unten an mein Ohr, die Nähfrau sprang auf und holte ein Maßband. So etwas, sagte sie, habe sie noch nicht gesehen. Mein linkes Bein sei zwei Zentimeter kürzer als das rechte. Etwas Ähnliches hatte mit bereits mein Arzt mitgeteilt, doch ohne die genaue Dimension anzugeben. Von den Einlagen zu urteilen, die er mir verschrieben hatte, konnte es sich nur um Milimeter handeln.

Das Kürzere
Urplötzlich dämmerte es mir. Das Puzzlestück, das all die Jahre fehlte, fügte sich nahtlos ein. Könnte David Beckham seine Flanken so unnachahmlich hereinschnibbeln, wenn er ständig mit dem linken Fuß in einer zwei Zentimeter tiefen Grube stehen würde? Ich glaube kaum. Hätte Andy Brehme den Elfmeter im WM-Finale 1990 mit seinem Standbein auf einem Hügel verwandelt? Eher nicht.

Das Wissen um das körperliche Defizit ist nur ein schwacher Trost, aber Anlass zu wilden Spekulationen: Wo könnte ich heute stehen, wenn ich nicht so asymetrisch wäre? Ganz oben in der Kreisliga A? Mit Sicherheit. Leider ist es zu spät, das Heilfleisch ist nicht mehr das eines 18-jährigen. Sonst wäre es ein Überlegung wert, der Karriere durch die Möglichkeiten der modernen Medizin auf die Sprünge zu helfen.

Kurze Pause

Moorhuhn? Yeti-Games? Bäh! Alles viel zu Nu School. Besser ist das gute, alte Fußballer-mit-hässlichen-Frisuren-Memory.

Gut für Deutschland!

Die Uefa hat nicht nur den UI-Cup, sondern endlich auch das Lizensierungsverfahren reformiert. Das ganze soll sich stark an das DFB-System anlehnen. Unter anderem heißt es:

"There are certain areas, especially on the financial side, where there are stronger criteria than we have had before," said UEFA Chief Executive Lars-Christer Olsson. "The ambition with the entire system is to improve the clubs' financial capability, and to increase transparency and credibility. That means that we are asking for more information than we had before, such as information concerning budgets.

Da bin ich ja mal schwer gespannt, denn einige prominente Clubs dürften demnach in näherer Zukunft nicht mehr auf europäischer Ebene auflaufen. Ich glaubs erst, wenn ich es tatsächlich soweit ist.

Gut für Deutschland? Schlecht für Deutschland?

Die Uefa hat den UI-Cup reformiert. Statt fünf gibt es nur noch drei Runden, dafür ist bereits die Teilnahme an dem Wettbewerb eine Art Freilos geworden. Denn statt drei qualifizieren sich ab nächster Saison elf (!) Mannschaften für die zweite Runde der Uefa-Cup-Qualifikation.

Klingt soweit ganz gut. Einziges Pech für Deutschland: Nur noch eine Mannschaft aus der Bundesliga darf mitmachen. Wenn die sich allerdings nicht ganz blöd anstellt, dürfte sie ziemlich sicher durch sein (aber was rede ich, wir haben schließlich alle die letzten Europapokal-Spiele der heimischen Teams gesehen).

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