Heil dem Kaiser
Ist es ein Zufall, dass gerade Franz Beckenbauer den Beinamen "Kaiser" trägt, oder ist es eine drollige Laune des Schicksals? Erinnern wir uns an den letzten wahren Kaiser, den Deutschland hatte: Wilhelm II. Durch die Medien wurde er zur deutschen Lichtgestalt.
Zugegeben, Franz Beckenbauer hat die Halbwertzeit des Hohenzollern weit überschritten und musste nicht ins Exil gehen. Ganz im Gegenteil. Die Strahlkraft scheint für 100 Jahre zu reichen. Aber warum?
Ein kurzer Blick auf die Vita genügt, um zahlreiche potentielle Skandale zu erkennen:
Mit süßen 17 Jahren wurde er zum ersten Mal Vater - egal, da kannte noch keiner den Namen des Talents. Der Giesinger Junge konnte sich ausuchen, ob er zu den 60ern wechselt, oder zu den Zweiten in der Stadt, zum FC Bayern.
Als er alles erreicht hatte, Weltmeister, mehrfacher Deutscher Meister, Pokalsieger und Europapokalsieger war, da erdrückten ihn Steuerschulden. Eine halbe Million blätterte er auf den Tisch, um zu Cosmos New York wechseln zu dürfen. Er stieß sich gesund, lernte Andy Warhol und Woody Allen kennen.
Mit 56, scheinbar glücklich verheiratet, zeugte er mit seiner Angestellten ein Kind. Er verließ seine Gattin und setzt einen weiteren kleinen Sonnenkönig in die Welt. All das schiebt er auf den lieben Gott. Der freue sich über jedes Kind. Eine bezwingende Logik. Fragt Ratzinger.
Paul Breitner, einen den Deutschland insgeheim hasst, brachte es auf den Punkt: "Er hat alles gemacht, was ein Deutscher nicht machen darf: Sich scheiden lassen, die Kinder verlassen, mit der Freundin abhauen, Steuerschulden, die Freundin wieder verlassen."
Bei all dem scheint ein geheimer Pakt zwischen der Boulevard-Presse und Beckenbauer zu bestehen: Habt Gnade mit mir und ich gebe euch Kolumnen. Es wirkt. Kann es diese eine andere Erklärung geben, dass selbst die Bild-Zeitung am Kaiser scheitern könnte? Dass er zu erhaben ist, um Fäkal-Journalismus über ihn zu ergießen? Dass an ihm alles abperlt wie an einer Teflon-Pfanne?
Natürlich war er anders in seiner Spielweise. Er stand für die furiose Bayern-Ära in den 70ern. Er stand für die WM 74. Kurzer Halt: Waren es nicht die Gladbacher, die den begeisternden Fußball in der Bundesliga boten? Waren es nicht die Niederlande, die den WM-Titel wirklich verdient hatten? War es Glück, dass Beckenbauer immer wieder die Schale, den Pokal oder was auch immer hochhalten durfte? Nein, ausschließlich Glück bestimmt nicht. Er war ein herausragender Fußballer in Mannschaften, die oft nicht geglänzt haben, aber immer erfolgreich waren.
Sein Geheimnis liegt nicht nur in der Zeit, als er neben Pele als der Fußballer schlechthin gegolten hat. Unfassbar begnadete Fußballer seines Kalibers gab es zwar selten, aber dennoch konnte sich kaum einer dieses unantastbare Standing erarbeiten.
Vor allem die Zeit nach seiner aktiven Karriere (die übrigens bei dem HSV ausgeklungen ist - kann sich noch jemand erinnern?) sorgte für die Unsterblichkeit. Er hat nie etwas freiwillig angepackt. Einen Beckenbauer musste man immer bitten.
Teamchef? Eigentlich nicht, aber weil ihr es seid, na gut, häng ich mir das halt ans Bein. Erinnert sich noch jemand an die kläglichen Vorstellungen in der WM-Qualifikation 1990? Als in der letzten Minute, im letzten Spiel das entscheidende Tor gegen Wales fiel? Nein, der WM-Titel überstrahlt alles. Wie der Kaiser wie hypnotisiert über das Spielfeld spazierte. Ich war damals 14 und saß in Österreich, Familienurlaub, während in Deutschland die Autokorsos durch die Innenstädte fuhren.
WM-OK-Leiter? Nicht wirklich, aber wenns kein anderer macht, na gut. "And the World Cup goes to...Deutschland!" Denkmal endgültig gesetzt.
Dass er von den Folgen seiner werblichen Prostitution gänzlich verschont bleibt, ist nur ein weiteres Indiz seiner Unantastbarkeit. Von ""Knorr in den Teller - Kraft auf den Tisch" bis "Ja ist denn heut' schon Weihnachten?" kann er sich alles erlauben, ohne auch nur annähernd ernsthaften Spott ertragen zu müssen. Ganz zu schweigen von seiner Integrität. Wenn Franz spricht, hört Deutschland zu. Oder, wie Andre Heller es ausdrückte: "Wahrscheinlich ist er so mächtig, dass er sogar Regierungen stürzen könnte.”
Ein wahrer Kaiser eben. Doch eben da widerstrebt es mir, bei aller Anerkennung der Leistungen, mich zu verbeugen. Einem dem alles zugeflogen ist, der jeden um den Finger wickeln kann, der selten Gegenwind spürt, der alles in Gold verwandelt, was er anpackt, dem vertraue ich nicht. Der ist nicht meine Kragenweite. Katsche Schwarzenbeck, wann bist Du eigentlich 60 geworden?
Zugegeben, Franz Beckenbauer hat die Halbwertzeit des Hohenzollern weit überschritten und musste nicht ins Exil gehen. Ganz im Gegenteil. Die Strahlkraft scheint für 100 Jahre zu reichen. Aber warum?
Ein kurzer Blick auf die Vita genügt, um zahlreiche potentielle Skandale zu erkennen:
Mit süßen 17 Jahren wurde er zum ersten Mal Vater - egal, da kannte noch keiner den Namen des Talents. Der Giesinger Junge konnte sich ausuchen, ob er zu den 60ern wechselt, oder zu den Zweiten in der Stadt, zum FC Bayern.
Als er alles erreicht hatte, Weltmeister, mehrfacher Deutscher Meister, Pokalsieger und Europapokalsieger war, da erdrückten ihn Steuerschulden. Eine halbe Million blätterte er auf den Tisch, um zu Cosmos New York wechseln zu dürfen. Er stieß sich gesund, lernte Andy Warhol und Woody Allen kennen.
Mit 56, scheinbar glücklich verheiratet, zeugte er mit seiner Angestellten ein Kind. Er verließ seine Gattin und setzt einen weiteren kleinen Sonnenkönig in die Welt. All das schiebt er auf den lieben Gott. Der freue sich über jedes Kind. Eine bezwingende Logik. Fragt Ratzinger.
Paul Breitner, einen den Deutschland insgeheim hasst, brachte es auf den Punkt: "Er hat alles gemacht, was ein Deutscher nicht machen darf: Sich scheiden lassen, die Kinder verlassen, mit der Freundin abhauen, Steuerschulden, die Freundin wieder verlassen."
Bei all dem scheint ein geheimer Pakt zwischen der Boulevard-Presse und Beckenbauer zu bestehen: Habt Gnade mit mir und ich gebe euch Kolumnen. Es wirkt. Kann es diese eine andere Erklärung geben, dass selbst die Bild-Zeitung am Kaiser scheitern könnte? Dass er zu erhaben ist, um Fäkal-Journalismus über ihn zu ergießen? Dass an ihm alles abperlt wie an einer Teflon-Pfanne?
Natürlich war er anders in seiner Spielweise. Er stand für die furiose Bayern-Ära in den 70ern. Er stand für die WM 74. Kurzer Halt: Waren es nicht die Gladbacher, die den begeisternden Fußball in der Bundesliga boten? Waren es nicht die Niederlande, die den WM-Titel wirklich verdient hatten? War es Glück, dass Beckenbauer immer wieder die Schale, den Pokal oder was auch immer hochhalten durfte? Nein, ausschließlich Glück bestimmt nicht. Er war ein herausragender Fußballer in Mannschaften, die oft nicht geglänzt haben, aber immer erfolgreich waren.
Sein Geheimnis liegt nicht nur in der Zeit, als er neben Pele als der Fußballer schlechthin gegolten hat. Unfassbar begnadete Fußballer seines Kalibers gab es zwar selten, aber dennoch konnte sich kaum einer dieses unantastbare Standing erarbeiten.
Vor allem die Zeit nach seiner aktiven Karriere (die übrigens bei dem HSV ausgeklungen ist - kann sich noch jemand erinnern?) sorgte für die Unsterblichkeit. Er hat nie etwas freiwillig angepackt. Einen Beckenbauer musste man immer bitten.
Teamchef? Eigentlich nicht, aber weil ihr es seid, na gut, häng ich mir das halt ans Bein. Erinnert sich noch jemand an die kläglichen Vorstellungen in der WM-Qualifikation 1990? Als in der letzten Minute, im letzten Spiel das entscheidende Tor gegen Wales fiel? Nein, der WM-Titel überstrahlt alles. Wie der Kaiser wie hypnotisiert über das Spielfeld spazierte. Ich war damals 14 und saß in Österreich, Familienurlaub, während in Deutschland die Autokorsos durch die Innenstädte fuhren.
WM-OK-Leiter? Nicht wirklich, aber wenns kein anderer macht, na gut. "And the World Cup goes to...Deutschland!" Denkmal endgültig gesetzt.
Dass er von den Folgen seiner werblichen Prostitution gänzlich verschont bleibt, ist nur ein weiteres Indiz seiner Unantastbarkeit. Von ""Knorr in den Teller - Kraft auf den Tisch" bis "Ja ist denn heut' schon Weihnachten?" kann er sich alles erlauben, ohne auch nur annähernd ernsthaften Spott ertragen zu müssen. Ganz zu schweigen von seiner Integrität. Wenn Franz spricht, hört Deutschland zu. Oder, wie Andre Heller es ausdrückte: "Wahrscheinlich ist er so mächtig, dass er sogar Regierungen stürzen könnte.”
Ein wahrer Kaiser eben. Doch eben da widerstrebt es mir, bei aller Anerkennung der Leistungen, mich zu verbeugen. Einem dem alles zugeflogen ist, der jeden um den Finger wickeln kann, der selten Gegenwind spürt, der alles in Gold verwandelt, was er anpackt, dem vertraue ich nicht. Der ist nicht meine Kragenweite. Katsche Schwarzenbeck, wann bist Du eigentlich 60 geworden?
Dülp - 9. Sep, 23:21
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